Berthelsdorf / Barcinek


Berthelsdorf i. Riesengebirge, Kreis Hirschberg

im Jahre 1927


Berthelsdorf mit 800 Einwohnern liegt in einem schönen Tal, durchflossen vom stattlichen Kemnitzbach, dessen Ufer immer romantischer werden, je mehr er sich dem Bober nähert. Der Abschluß des Tales am Bernskenstein ist eine Sehenswürdigkeit des gesamten Vorgebirges. Wegen seiner prächtigen Umgebung ist Berthelsdorf längst Sommerfrische geworden. Die Bahnstation Altkemnitz ist nur 3 km entfernt.

Berthelsdorf ist ebenfalls unter den Piasten entstanden mit dem Namen Bartholdi villa. Im Jahre 1341 am 29. Juni erteilte Heinrich I. der Bärtige dem Erbadligen Konrad von Tschirn gegen Abtretung des Berglehns Hausberg zu Hirschberg die Obergerichtsbarkeit von Bertholdsdorf, Rybnitz, Straupitz und Grunau. Die katholische Kirche des Ortes ist 1298 St. Michael zu Ehren erbaut und erhielt 1517 eine Glocke zum Geschenk, die noch vorhanden ist. Die Kirche ist später durch einen Anbau erweitert worden. Wertvolle Bilder und Schnitzereien sind darin noch erhalten. Grabdenkmäler des Ritters Hans von Zedlitz und Giersdorf und seiner Gemahlin Ursula geb. Falkenhainin von Kommernik sind noch zu sehen. Das alte Schloß des Rittergutes ist abgebrannt; es ging dabei eine wertvolle Bibliothek verloren. Von Mai bis August 1813, bis zur Schlacht an der Katzbach, hatte Berthelsdorf viel unter der Einquartierung der Franzosen zu leiden; doch, dann nach dem 28. August, wurden der Ort wie die ganze Gegend frei.

Durch den Bau des Sanatoriums 1877 am Eingang zum Kemnitzgrund ist unser Ort weit über die Grenzen Schlesiens bekannt geworden. Die Anstalt, die vielen tausend Kranken Heilung gebracht hat, ist nach dem Kriege in eine Lungenheilstätte umgewandelt worden, in der ständig zwei Ärzte beschäftigt sind. Für die Entwicklung des Ortes maßgebend war auch der Bau der Papierfabrik von Schubert & Co. im Jahre 1887. Die mächtige Anlage der Talsperre Mauer veranlaßte aber den Abbruch der Fabrik 1913 und ihren Wiederaufbau auf höher gelegenem Gelände durch die Provinz. Der starke Verkehr von und zur Fabrik bedingte es, daß 1898 eine Chaussee vom Bahnhof Altkemnitz bis zur Fabrik gebaut wurde, die später ihre Fortsetzung nach Boberröhrsdorf fand. Seitdem hat sich der Verkehr gewaltig gehoben.

 

Berthelsdorf und seine Bewohner

Meine Lieben aus der lieben Heimat Berthelsdorf.

von Oswald Hilger


 


 

Was ich hier niederschreibe, schreibe ich ohne eine Chronik nieder. Der Name Berthelsdorf ist gewiß auf die Gründerzeit zurückzuführen und hat, wie so viele Dörfer, seinen Namen nach dem Gründer oder dem Grundherrn, einem Berthold oder Barthold, erhalten. Später wurde es auf Berthelsdorf umbenannt.


 

Vom Dorf Altkemnitz kommend, geht man am Kemnitzbach entlang und hat rechts die Altkemnitzer Vorwerksberge mit dem Kohlauberge, links kommt der Berthelsdorfer Gänseberg nahe an die Kemnitz heran. In der Talenge beginnt Berthelsdorf. Es ist ein kleines Dorf, aber gut 3 km lang. Da die Hausnummern oben am linken Kemnitzufer anfangen und am rechten Ufer wieder hochgehen, so ergibt sich, daß die erste Nummer und die letzte Hausnummer einander gegenüber liegen, nur durch den Bach getrennt. Die Bewohner waren bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts mit Landwirtschaft beschäftigt. Es gab kleine Gewerbebetriebe und Handwerker.


 

Das Dorf selbst bestand aus der Gemeinde und dem Gutsbezirk. Der Gemeindebezirk hatte nur 137 Hausnummern. Davon waren lt. Grundbuch:


 

1 Freibauerngut 9 Dienstbauerngüter 3 Freigärtenstellen 15 Dienstgärtenstellen 12 oder 15 Freihäuser.


 

Der Rest von den 137 Nummern waren Diensthäuser.


 

An gewerblichen und Handwerksbetrieben waren um die Mitte des vorigen Jahrhunderts bis zur Vertreibung 1945/46:


 

2 Wassermühlen 2 Lohgerbereien (bei Vertreibung eine stillgelegte Gerberei) 1 Zimmerei und Baugeschäft

1 Leinenbleiche (nicht vorhanden bei Vertreibung) 2 Schmieden

2 Stellmacher 2 Tischler

1 Holzdrechsler (nicht vorhanden bei Vertreibung) 1 Fleischer 1 Bäcker 1 Schneider

4 oder 5 Schuhmacher (bei Vertreibung 2) 2 Gastwirtschaften

1 Gerichtskretscham


 

Alteingesessene Familien waren Scheckel, Hielscher, Siebenhaar, Gebhard, Müller und Holzbecher.


 

Der Gutsbezirk hat vielmals den Besitzer gewechselt. Besitzer waren u. a. ein Gutschef von Zedlitz, ein von Rotkirch, ein Gebhart, ein Duttenhofer, ein Dr. Elzel und zuletzt von Warburg. Zur Herrschaft Berthelsdorf gehörten noch die Dörfer Riemendorf, Tschischdorf und Boberullersdorf. Ich komme noch auf die einzelnen Besitzer zurück.


 

Das Haus Nr. 1 war das Fiedlersche Haus. Nachdem Fiedler gestorben war, heiratete die Witwe den Zimmermann August Seifert. Aus der Ehe mit Fiedler gingen 3 Kinder, Paul, Anna und Emme, hervor. Aus der Ehe mit Seifert eine Tochter. Nach ihrem Tode heiratete Seifert die Schwägerin. Aus dieser Ehe stammte der Sohn Robert. Er war bis zum Tode 1945 Besitzer des Hauses. Die Witwe ist hier verstorben. Das einzige Kind, ein Söhnchen, ist im Alter von etwa 3 Jahren im Kemnitzbach ertrunken.


 

Das Haus Nr. 2 wurde zu meiner Kinderzeit von der Kriegerwitwe Juliane Daniel mit zwei Enkeln, Max und Gertrud Friedrich, bewohnt. Max Friedrich war Kriegsteilnehmer in China. Nach dem Tode von Frau Daniel, verkauften die Erben das Grundstück an den Arbeiter Fritz Gebhardt aus Altkemnitz. Durch böswillige Brandstiftung vom Schwiegervater brannte das Haus nieder. Dabei wären die 5 Bewohner fast mit verbrannt. Gebhardt baute wieder auf. Einige Jahre später verkaufte er es an den Gerbereigehilfen Bruno Fischer. Fischer ist im 1.Weltkrieg gefallen. Die Witwe verkaufte dann an den Küchenchef Ernst Hopf, der es zu seinem Ruhesitz umbaute. Und hier ist 1945 das furchtbare Verbrechen von den Polen verübt worden. Herr Hopf, seine Wirtschafterin Frl. Groß, die zur Zeit sich im Hause befindliche Gemeindeschwester Maria und der frühere Gemeindeschreiber Quasdorf, also alle 4 Personen, wurden erschlagen und furchtbar verstümmelt. (Siehe Bericht von Schwester Martha: "Fünf Jahre im polnisch verwalteten Schlesien")


 

Das Haus Nr. 3 hatte als letzten Besitzer Paul Exner. Es gehörte lange Zeit zur Bleiche und war von Mietern bewohnt. Zu meiner Zeit war der Schuhmacher Wennrich Mieter. Er war ein kleines Unikum.


 

Das Haus Nr. 4 gehörte dem Stellmacher Kober. Herr Friedrich Kober hatte das Grundstück vom Handelsmann der Müllerschen Erben erworben und darauf den Neubau errichtet. Dazu gehörte auch die Nummer 5, das Haus war abgerissen.


 

Im Haus Nr. 6 wurde ein Kramladen betrieben. Der frühere Besitzer war der Waldarbeiter Gustav Ludewig. Den Laden führte seine Frau Marie. Sie hat es auch durchgesetzt, daß der Laden vergrößert wurde. Die Ehe war ohne Kinder geblieben und so verkauften es die Erben nach dem Tode der Ludewigschen Eheleute an die Eheleute Bruno und Meta Ziegert. Ziegert ist im 1. Weltkrieg gefallen. Die Witwe mit den 3 Kindern heiratete dann den Arbeiter Walter Schirmer. Das Geschäft ging aber durch die wirtschaftlichen Verhältnisse zurück. Es kam zur Zwangsversteigerung des Grundstücks, das vom Müllermeister Ellguth erworben wurde. Es wurde vom Mühlenkutscher Mäusel und vom Fabrikarbeiter Trenkel mit Familien bewohnt. Das Haus brannte später an einem Sommertag, als niemand zuhause war, nieder. Es ist nicht wieder aufgebaut worden. Dann wurde an der Straße ein massiver Fischbehälter gebaut, in dem eine Zeit lang Zuchtforellen gehalten wurden.


 

Das nächste Grundstück Nr. 7 ist die Obermühle. Sie hat in letzter Zeit mehrmals den Besitzer gewechselt. Lange war sie im Besitz der Familie Augustin. 1874 brannte sie nieder. Vom Besitzer Augustin wieder aufgebaut, wurde sie zu einer Brotbäckerei eingerichtet. Nach dem Tode Augustins verkauften die Erben die Mühle an den Müllermeister Fischer. Anfang der 90iger Jahre verkaufte Fischer an den Müllermeister Alfred Schönwälder in Berthelsdorf. Fischer erwarb die Teichmühle mit Sägewerk in Geppersdorf. Im Jahre 1893 brannte die Mühle durch Heißlaufen der neu eingebauten Walzenstühle aus. Schönwälder baute sie wieder auf. Er hat sie bis 1919 behalten. Er verkaufte wegen Krankheit der Frau an den Müller Bremer. Der hat sie nur kurze Zeit behalten. Noch im Jahre 1919 bekam sie der Müllermeister Max Ellguth aus dem Kreise Brieg. Leider ist Ellguth schon im Jahr 1932 im Alter von 42 Jahren verstorben. Die Witwe Anna Ellguth hat das Geschäft mit Hilfe der Kinder bis zur Vertreibung weiter geführt. Sie wurde von den Polen in den Oberstock in zwei Zimmer eingewiesen, bis auch sie Berthelsdorf verlassen mußte.


 

Das nächste Grundstück Nr. 8 ist die Gerberei von Ander, die früher die Herrschaftliche Försterei war. Der Großvater von Otto Ander hatte seine am Kohlau gelegene Gerberei und Acker, mit dem Dominium für die Försterei mit Acker und Wiese getauscht. Dort waren auch bessere Wasserverhältnisse. Durch die chemischen Gerbereien war die Lohgerberei nicht mehr konkurrenzfähig. Otto Ander verkaufte daher einen Teil des Grundstücks an die Fliegelsche Eisengießerei. Die Wiese erwarb Frau Ellguth. Das Wohnhaus behielt Ander. Er vermietete es an die Familien Fröhlich, Just, Rother und Schirmer. Er selbst ging nach Bad Warmbrunn. Ehe Ander verkaufte waren auf dem Grundstück durch Feuer ein großer Teil der Gebäude vernichtet worden. Die Ursache dieser Vernichtung konnte nicht aufgeklärt werden.


 

Nun zu Haus Nr. 9: Letzter Besitzer war der Former Kurt Moser. Er wurde erst später, wohl 1954, ausgewiesen. Das Grundstück gehörte früher dem Böttchermeister August König. König hatte es, da sein Sohn Gustav im 1. Weltkrieg 1914 gefallen war, an den Schlosser Richard Frei verkauft. Der zog aber später nach Wilhelmshaven und verkaufte an Kurt Moser. Moser war Former bei Fliegel, hatte auch einen großen Bienenstand und führte die Spar- u. Darlehnskasse. Im Haus wohnten noch der Briefträger Fritz Dietrich und die Witwe Scholz bis zur Vertreibung.


 

Der letzte Besitzer des Hauses Nr. 10 war der Müllermeister Alfred Schönwälder. Es wurde von seinem Sohn Paul Schönwälder und Familie Willi Otto bis zur Vertreibung bewohnt. Dieses Grundstück gehörte früher auch dem Böttchermeister August König. Nach dem Tode seiner Frau verkaufte er an den Gemeindeschreiber Ewald Döring, der auch etwas Landwirtschaft betrieb. Seine Erben verkauften dann an Schönwälder.


 

Grundstück Nr. 11 war nahe an der Straße das Adolfsche Haus. Adolf war früher Landarbeiter. Da das Haus sehr baufällig war und an der Stelle ein Neubau nicht genehmigt worden wäre, verkauften die Erben das Grundstück an Otto Ander.


 

An dem Mühlgraben, der bei der Gerberei Ander von dem Kemnitzbach abgeleitet wurde, ist das Bleichereigrundstück Nr. 12, das früher auch zum Dominium gehörte. Es wurde aber von dem Bleicher Kober aus Giersdorf von der Herrschaft Duttenhofer mit etwas Land erworben. Kober ist noch in den 80er Jahren verstorben. Die Witwe hat dann das Leinwandbleichen eingestellt und nur Landwirtschaft betrieben. Das Grundstück kam an den Schwiegersohn Landwirt Julius Hoppe. Nach Hoppes Tod führte Frau Hoppe die Wirtschaft fort, bis der Schwiegersohn Bruno Kittelmann übernahm. Dieser hat dann an den Landwirt Oswald Klose aus Boberröhrsdorf verkauft, der auch der letzte Besitzer war.


 

Das Haus Nr. 13, war das Grundstück, wo früher ein Fuhrgeschäft betrieben wurde. Besitzer war ein Mann mit Namen Hielscher. Er stammte aus Nr. 74. Die Witwe verkaufte an den Landarbeiter Gustav Scheckel aus der Nr. 31. Dieser hat dann an den Turnverein verkauft. Es sollte dort eine Sporthalle gebaut werden.


 

Das ehemalige Grundstück Nr. .. , die alte Lohmühle, bestand nur noch aus ein paar alten Mauern. Sie gehörte zur Gerberei Ander. Zu Palmarum 1908 brannte sie ab und ist nicht mehr aufgebaut worden, da in der Gerberei eine moderne Maschine aufgestellt wurde.


 

Grundstück Nr. 14 war das Gottwaldsche Haus. Von Gottwald hatte es die Tochter Ernestine Jaenel geerbt. Nach ihr die Tochter Anna Jentsch. Bis zum Tode der Frau Jentsch wurde von dem Haus das Glockenläuten besorgt. Das Haus brannte später ab.


 

Wir kommen zur Niedermühle, Grundstück Nr. 15: Sie wurde lt. Aufschrift im Jahre 1601 erbaut und war noch im Urstil erhalten. Die Mauern waren 1 m stark. Die Mühle befand sich in der Mitte des Gebäudes. Die Wohnräume lagen zu beiden Seiten, sie waren gewölbt, sogenannte Kreuzgewölbe. Die Mühle war in der 3. Generation im Besitz der Familie Bormann. Der Müllermeister Hermann Bormann hatte die Mühle von den Müller Dresslerschen Erben erworben. Er hat Acker dazu gekauft, die Stallung und Scheune neu gebaut. 1878 hat er auch die Brettschneide gebaut. Nach seinem Tode übernahm sein Sohn Richard das Geschäft, der auch Getreidehandel hinzunahm, da die Lohmüllerei immer mehr abnahm. Sein Sohn Rudolf übernahm die Mühle mit Brettschneide, verbesserte den Mühlenbetrieb durch Einbau einer Turbine und eines Walzenstuhles. Die Brettschneide wurde mit neuen Maschinen und Vollgatter zu einem modernen Sägewerk ausgebaut, und er machte das ganze zum Holzhandel gehörende Geschäft bis zur Vertreibung. Die Familie kam hier in den Westen, wo Herr Bormann wieder Beschäftigung in einer Großmühle als Meister fand.


 

Nur durch die Straße getrennt, war der Freigarten Nr. 1: Letzter Besitzer war Fabrikbesitzer Kurt Fliegel. Das Wohnhaus mit Stall war dort, wo jetzt das Familienhaus von Fliegel steht. Die Scheune war über der Straße und mußte dem Straßenbau weichen. Zum Freigarten gehörte auch die Schmiede. Den Freigarten erwarb Ende der 1850iger, oder Anfang der 1860iger Jahre der Schlossermeister Eugen Griesch. Herr Griesch errichtete auf dem Grundstück zuerst eine Schlosserei für kleine Landmaschinen. Das war der Anfang zur Fabrik. Da das Wasser genutzt werden sollte, wurde das Wehr und der Wassergraben gebaut. Die Schmiede wurde zur Wohnung umgebaut und das alte Wohnhaus der Landwirtschaft abgerissen. Darauf baute man das Familienhaus. 1864 wurde, da das Geschäft gut ging, das Wasser aber im Sommer knapp war, das Kesselhaus gebaut. Zu dem Zweck mußte eine kleine Parzelle vom Freigarten Nr. 3 erworben werden. Als Herr Eugen Griesch in den 1870iger Jahren gestorben war, verkauften die Angehörigen das Unternehmen an den Ingenieur Hermann Fliegel aus Schöbekirch Bez. Breslau. Er hat den Betrieb bedeutend vergrößert, speziell durch die Eisengießerei. Er erzeugte Grauguß für die Firma Füllner in Bad Warmbrunn und für die Firma Raupach in Görlitz. Speziell wurden Mühlenbau- und Schleusenbauartikel gegossen.


 

Oberhalb des Familienhauses befand sich die Kirche. Sie war wohl das älteste Gebäude im Orte. Das Baujahr ist mir nicht bekannt. Es müßte aber im 13. Jahrhundert gewesen sein. Es war eine kleine Kirche. Türen und Fenster waren mit Spitzbogen versehen und auf grundherrschaftlichem Grundstück erbaut. Die Kirche selbst war katholisch seit dem Friedensschluß von Münster und Osnabrück 1648. Sie wurde damals den Protestanten laut Friedensvertrag weggenommen und gehörte zum Pfarramt Reibnitz, kam dann 1648 zum Pfarramt Altkemnitz mitsamt den Ländereien. Um die Kirche herum war der Friedhof. Das Patronatsrecht hatte immer der Besitzer des Dominiums, ganz gleich, ob er katholisch oder evangelisch war. Durch Verhandlungen mit dem Bischof von Breslau - der Jahrgang ist mir nicht mehr bekannt- wurde den evangelischen, gegen eine Gebühr, gestattet, Trauerfeiern in der Kirche abzuhalten. Die Gebühr betrug 3 RM, wurde die Leiche jedoch in die Kirche getragen und Trauergottesdienst gehalten, betrug die Gebühr 6 RM. Für das Läuten der Glocken mußte extra bezahlt werden. Der kleine Friedhof wurde später vergrößert. So kam es, daß die Gemeinde den größten Anteil an dem Friedhof besaß. Im Jahre 1905 wurde der Friedhof von der Gemeinde nochmals vergrößert und eine Leichenhalle gebaut. In der Kirche selbst wurde die Tochter des Kirchenpatrons Duttenhofer mit dem Fabrikbesitzer Wattenklod aus Altkemnitz getraut.


 

Unter der Kirche war auch eine Gruft für die Patrone der Kirche, sie wurde aber nicht mehr benutzt. Auf einem neu hinzugekommenem Stück Land vom Dominium war das Denkmal für die Gefallenen des 1. Weltkrieges mit 38 Namen.


 

Die Kirche selbst war im Jahre 1932 völlig renoviert worden. Ein Kunstschieferdach und ein neuer Anstrich von innen und außen machten sie wieder ansehnlich. 3 Glocken sorgten für das Geläut. Im 1. Weltkrieg mußten die große und die kleine Glocke abgegeben werden. Es sind aber durch Sammlung aller Gemeindemitglieder nach dem Kriege wieder neue Glocken beschafft worden. Der Torweg führte an einem alten Gemäuer vorbei, das früher eine Ziegelei war, die schon lange still lag.


 

Nun kommen wir zum Freigarten Nr. 2 , das ist der allen Berthelsdorfern wohlbekannte Gerichtskretscham. Der Name kommt daher, weil in dem Gebäude das Ortsgericht tagte. Hier wurden Verkäufe, Verpachtungen usw. vor dem Ortsgericht verhandelt und beurkundet. Auch Verbrechen und Diebstähle wurden hier geahndet.


 

Die alte große Linde stand gegenüber dem Kretscham. Zu ihm gehörten etwa 17 bis 18 Morgen Land und der große Platz. Erst 1898 wurde das jetzige Straßenbild geschaffen. Der Dorfweg von Altkemnitz nach Spiller führte direkt am Gebäude entlang. Über dem Dorfweg hatte das Gasthaus eine Kolonade, die im Sommer gut besucht war. Dahinter war der offene Mühlgraben. Es führte eine Treppe hinab, wo die Leute das Wasser zum Tränken der Pferde herauf holten. Durch den Straßenbau ist der Mühlgraben überbrückt worden. Die Linde ist weggekommen und der Platz aufgeschüttet worden, so daß das heutige Bild entstand. Über den Straßenbau möchte ich später berichten.


 

Nun zum Kretscham selbst. Letzter Besitzer waren die Ewald Hübnerschen Erben. Der alte Kretscham war ein großes Haus, noch 6 Meter länger als der Neubau. Unten dicke Mauern, oben alles Fachwerk und mit Holzschindeln gedeckt. Da war parterre links die große Gaststube mit Küche und kleiner Nebenstube. Von der Gaststube ging es in den Tanzsaal. Rechts vom Hausflur war die sogenannte Billardstube. Dahinter ein Gewölbe für die Getränke. Am Ende des Gebäudes war ein Pferdestall für zwei Pferde. Hier waren im Sommer die staatlichen Deckhengste untergebracht. Am Giebel vom Hofe war ein Eingang zu einem großen Pferdestall für die Fuhrleute. Dort konnten 10 - 12 Pferde untergebracht werden. Daran anschließend war der Kuhstall für 4 Kühe, alles unter einem Dach. Die oberen Räume waren für den Wirt und seine Leute, auch für die durchfahrenden Fuhrleute und Reisenden.


 

In früheren Jahren gehörte der Kretscham der Familie Seifert. Da heiratete der Müllergeselle Hornig eine Tochter von Seifert. So wurde Hornig Besitzer, denn Seifert hatte keinen Sohn. Eine Tochter hatte einen landwirtschaftlichen Inspektor geheiratet und eine war ledig geblieben. Hornig hatte den Gaststall gegenüber dem Spritzenhaus an Firma Fliegel verkauft. Dafür hatte er in der Scheune einen kleinen Gaststall und Stall für seine Pferde eingerichtet. Im Jahre 1893 hat Herr Hornig das Gasthaus mit Acker an den Bäckermeister und Gastwirt Hermann Hübner aus Warthe Kreis Bunzlau verkauft. Hornig hatte das Gasthaus "Zum Schlüssel" in Schmiedeberg erworben, wo er auch verstorben ist.


 

Hermann Hübner hat 1894 den alten Tanzsaal abgerissen und wieder einen neuen gebaut. Als Hübner 1902 starb, übernahm sein Sohn Ewald das Geschäft, der sich mit seiner Frau Emma geb. Holzbecher, einen guten Ruf als Gastwirtsehepaar verschaffte. Im Jahre 1904 wurde der alte Kretscham ganz und gar abgerissen und neu erbaut, so wie ihn die junge Generation kennt. Wenn im Winter die Holzfuhrleute kamen war immer Rast bei Hübner, denn Küche und Keller waren gut und preiswert. Wenn im Winter eine Beerdigung war, mußten doch die Füße aufgewärmt werden. War es im Sommer warm, mußte der Durst gelöscht und im Kretscham das Leder vertrunken werden. Aber auch bei Vereinsvergnügungen und sonstigen Angelegenheiten ist manch fröhliche Stunde im Kretscham gefeiert worden.


 

Als Ewald Hübner kurz vor seinem 60ten Geburtstag 1936 starb, führte die Witwe Emma Hübner mit Hilfe des Sohnes Herbert und Schwiegertochter den Betrieb fort. Herbert war Maschinenbautechniker bei der Firma Fliegel. Später war er dienstverpflichtet bei den Junkerswerken in Dessau.


 

Nun komme ich zum Freigarten Nr. 3, Hausnummer 18. Das ist mein Besitztum und mein Elternhaus. Die Wirtschaft war 59 Morgen groß. 1648 war es die Pfarrwiedemut, gehörte also zur Kirche in Reibnitz. Auch war die Wirtschaft Nutznießung des Pfarrers, als Berthelsdorf einen solchen hatte. Nach dem Frieden von Münster und Osnabrück kam Kirche und Wiedemut zum katholischen Pfarramt Altkemnitz. Da aber die katholische Kirche die Lasten nicht aufbringen konnte, verkaufte sie die Wiedemut.


 

Um das Jahr 1770 war der Besitzer ein gewisser Hielscher. Der ist jung gestorben. Die Witwe hat später den Bauern Ernst Pohl in Reibnitz geheiratet. Da übernahm der Sohn die Wirtschaft und die Schwester führte den Haushalt. Aber der Besitzer starb ledig. Nun da die Wirtschaft in der Familie bleiben sollte, bekam die Schwester den Hof. Sie heiratete den Stiefsohn der Mutter, einen Pohl aus Reibnitz, also den Stiefbruder. Die Mutter hatte mit Pohl auch einen Sohn, der in Reibnitz bleiben sollte. Er hatte das jetzt Fritz Heidrichsche Bauerngut. Aus der Stiefgeschwisterehe gingen 5 Söhne und eine Tochter hervor. Der jüngste Sohn Gustav übernahm die Wirtschaft und heiratete meine Mutter, eine geb. Hielscher aus Bauerngut Nr. 75. Von den anderen Pohl-Söhnen war einer in Matzdorf, einer in Berthelsdorf, zwei in Reibnitz und die Tochter in Hindorf verheiratet. Gustav Pohl starb 1878 kinderlos. So hatte meine Mutter die Wirtschaft gekauft. Sie heiratete 1881 den Bauernsohn Hermann Hilger aus Spiller Krs. Löwenberg. Aus dieser Ehe gingen 4 Kinder hervor. Zwei sind im Kindesalter gestorben. Meine Schwester und ich sind geblieben.


 

Am 16. Oktober 1891 brannte die Wirtschaft durch vorsätzliche böswillige Brandstiftung nieder. Sie wurde von meinen Eltern wieder aufgebaut. Als 1900 meine Mutter gestorben war, heiratete mein Vater wieder und zwar die Witwe Marie Jentsch aus Boberröhrsdorf. Sie brachte einen Sohn mit in die Ehe. Aus dieser zweiten Ehe entsproß eine Tochter.


 

Am 1. Juli 1925 habe ich den Hof übernommen. Meine Frau stammte aus Neukemnitz und war eine geb. Hornig. Sie starb 1936 an ihrem 45. Geburtstag. Wir hatten eine Tochter. Ich habe trotz allem die Wirtschaft bis zum 24. Mai, dem Tag der Vertreibung, geführt. Polen waren schon seit dem 9. August 1945 auf der Wirtschaft, zumal ich schon zweimal fortgetrieben wurde.


 

Unserer Wirtschaft gegenüber stand das Haus Nr. 19. Das war früher vom Abdecker Nerger bewohnt. Nach dem Tod kaufte Gastwirt Hornig das alte Haus. Es wurde dann von den Familien Schlosser Theodor Krause, später Modelltischler Vogt, Former Paul Nerling, Arbeiter Witteck und vom Arbeiter Gustav Besser bewohnt. 1920 wurde es wegen Baufälligkeit abgerissen.


 

Nun geht es an der Straße nach Spiller über Feld zu den Spillerhäusern. Da ist Haus Nr. 20, letzter Besitzer war Hermann Töpler aus Nr. 36. Er hatte das Wohnhaus an den Arbeiter Alfred Jäkel vermietet. Jäkel war eingezogen und so wohnte Frau Jäkel mit den Kindern in dem Haus als die Russen kamen. Doch auch sie wurde ausgewiesen. Das Haus stand leer. Es ist zu Silvester 1946 von den Polen angezündet worden.


 

Das Haus Nr. 21 gehörte dem Fabriktischler Bernhard Stein. Früherer Besitzer war der Landarbeiter Karl Schmidt. Nach seinem Tode erwarb es der Wirtschaftvogt Scholz aus Meffersdorf. Nach seinem Ableben erwarb es der Mann der Enkeltochter des Tischlers Stein. Stein hatte eine große Familie.


 

Das Haus Nr. 22 war das Stammhaus der Familie Holzbecher. Aber die Erben haben es an den Maurer Karl Heifel verkauft. Der war mit Karoline Kittelmann verheiratet. Heifel war sehr für das Gärtnerische, so daß er sich eine kleine Gärtnerei einrichtete. Der Sohn wurde auch Gärtner, ist aber gestorben. Heifel hat das ganze Haus neu gebaut, hat auch das Pachtland dazu gekauft. Übernommen hat es dann der halbblinde Korbmacher Arthur Heifel. Auch er war verheiratet, hatte 2 Mädchen.


 

Die Nr. 23 ist das frühere Kahl'sche Haus, es hat den Besitzer mehrmals gewechselt. Von Kahls Erben erwarb es der Schwiegersohn, Modelltischler August Siebenhaar. Er verkaufte und zog nach Boberullersdorf. Der neue Besitzer war der Landarbeiter Scheckel aus Spiller. In einem Schwermutsanfall ging er auf die Schienen, wo er den Tod fand. Die Erben verkauften an den Landarbeiter Johann Hein aus Spiller. Hein hatte mehrere Kinder. Er ist später im Wald tödlich verunglückt. Da wohnte die Witwe mit den Kindern in dem Haus. Ein Sohn ist gefallen.


 

Auch das nächste Haus hat den Besitzer gewechselt. Nr. 24, das Lange-Haus. Zu meiner Kinderzeit gehörte es der Witwe Lange. Sie war eine Weißnäherin und ging von Haus zu Haus. Nach ihrem Tode übernahm es der Sohn Paul. Er war verheiratet und verunglückte tödlich mit dem Gespann. Er hinterließ Frau und 4 Kinder. Die Witwe heiratete dann den Arbeiter Machner. Aber nun starb Frau Machner. Die Kinder waren schon größer. Der Älteste ist gefallen. So ist das Haus in Erbe geblieben, bis zur Vertreibung. Machner wohnte in Hirschberg. Bewohnt wurde das Haus vom Arbeiter Schubert.


 

Und nun das nächste Haus Nr. 25. Letzter Besitzer Fabrikarbeiter Johann Beck. Dieses Haus war in alter Zeit eine Bäckerei mit Gast- und Schankwirtschaft. Lange Jahre war es auch eine Tischlerei vom Tischlermeister Schneider. Die Erben, 2 Töchter, verkauften dann das Haus an den Arbeiter Julius Müller aus Berthelsdorf. Müller betrieb Landwirtschaft. Er hatte Pachtland. Nach seinem Tode übernahm es der Schwiegersohn Johann Beck aus Langwasser. Er war Klempner, ging aber in die Eisengießerei und machte die Landwirtschaft nebenbei. Er kaufte dann 15 Morgen hinzu.


 

Nun die Nr. 26: Der letzte Besitzer war Fritz Hauptmann in Spiller. Hauptmann hatte in Spiller noch ein Haus, er war Lagerhalter vom Raiffeisen in Spiller. Das Haus wurde vom Schachtmeister Fischer bewohnt. Zu meiner Zeit gehörte das Haus der Butterhändlerin Müller. Nach ihrem Tod erwarb es Frau Kadenbach aus Spiller. Nach deren Ableben erbte es ihr Sohn Fritz Hauptmann.


 

Das Haus Nr. 27 war früher dem Landarbeiter Gottwald gehörig. Nach dem Tode erbte es die Ehefrau Liebig als Tochter. Bei Liebig waren 4 Kinder, drei Töchter und ein Sohn. Auch der Sohn starb ledig. Dann verkauften die Erben das Haus an den Fabriktischler Paul Leiser, dieser hat viel umgebaut an dem Haus. Er war auch noch Besitzer bei der Vertreibung.


 

Die Nr. 28 und 29 gehörten dem Viehhändler und Hausschlachter Karl Hein. Die Nr. 28 brannte im Oktober 1925 durch Kurzschluß nieder. Die Nr. 29 war schon lange abgerissen. Beide Häuser sind nicht mehr aufgebaut worden, da die Familie in Spiller eine Wirtschaft übernehmen konnte. Hein war jahrelang gelähmt. Die Grundstücke hatte der Schwiegersohn Fritz Hofrichter übernommen.


 

Auch die Nr. 30 und 31 waren verschwunden. Diese Grundstücke hatte Töpler aus Nr. 20 erworben. In Nr. 30 hat auch ein Müller gewohnt. Es ist 1895 abgebrannt, gehörte aber schon Töpler.


 

Nun geht es am Oberweg lang zu Nr. 32. Es ist das Grundstück von Bruno Scheckel. Ein alter Familienbesitz, immer vom Vater auf einen Sohn übergegangen. Bruno Scheckel war als junger Mann in der Landwirtschaft, dann in der Eisengießerei und zuletzt als Waldarbeiter beschäftigt. Er hat vom Dominium etwa 5 Morgen Land gekauft.


 

Die Nr. 33 gehörte bei der Vertreibung Herrn Fabrikbesitzer Kurt Fliegel und wurde vom Fabrikarbeiter Wilhelm Latzke bewohnt. Vorher gehörte es dem Arbeiter Hermann Heidrich. Dieser hatte es nach dem Tode seines Schwiegervaters, dem Steinmetz Karl Springer, übernommen. Fliegel hat es von den Heidrich'schen Erben gekauft.


 

Auch das Haus Nr. 34 gehörte Herrn Fliegel. Vorher gehörte es einem Former. Die Erben verkauften an den Arbeiter Robert Scheckel aus Nr. 32. Als seine Frau starb, verkaufte er an den Fabrikbesitzer Theodor Krause. Bei Krause waren 9 Kinder. Nach dem Tode der Eheleute verkauften die Erben an den Handelsmann Gustav Feist. Da die Eheleute alt wurden und der Sohn gefallen war, verkauften sie an Fliegel, hatten aber Wohnrecht bis zum Tode. Feist hat neuen Wohnraum gebaut.


 

Die Nr. 35 ist der Dienstgarten Nr. 1. Es war früher Familienbesitz der Schöbel. August Schöbel war verheiratet mit einer Tochter vom Bauer Gebhardt aus Nr. 74. Er starb auch jung an Typhus, hinterließ Witwe und eine Tochter. Die Witwe heiratete den Landwirt August Kretschmer aus Mauer. Nach dem Tode von Kretschmer übernahm der Schwiegersohn Hermann Hielscher aus Nr. 75 die Wirtschaft. Er hat Pachtland erworben, so daß die Wirtschaft 7ha groß war, als er 1941 starb. Sein einziger Sohn Friedrich übernahm die Wirtschaft und war Besitzer bis zur Vertreibung.


 

Nr. 36 ist Dienstgarten Nr. 2. Letzter Besitzer war der Landwirt Hermann Töpler. Der Dienstgarten war alter Familienbesitz der Familie Müller. Landwirt Karl Müller vererbte an seine Tochter Henriette verehelichte Hainke. Nach Hainkes Tod heiratete die Witwe den Landwirt Ernst Töpler aus Nr. 20. Aus dieser Ehe war der Sohn Hermann, der dann 1920 die Wirtschaft übernahm. Am 5. Juli 1925 schlug der Blitz ein und die Gebäude brannten nieder, wurden aber von Hermann Töpler wieder aufgebaut. Er hat auch das Pachtland zugekauft, so daß die Wirtschaft mit der Nr. 37, welche sein Vater schon gekauft hatte, 27 Morgen groß war, als die Polen kamen.


 

Nr. 37 hatte Ernst Töpler erworben von der Stellenvermittlerin Günter. Es wurde aber wegen Baufälligkeit abgerissen. Günter hatte das Gewerbe des Töpfe einstreichens- und verkittens ausgeführt. Er hatte an dem Hause nichts getan, so daß es im Verfallen war, als Töpler es kaufte.


 

Das Haus Nr. 38 war dem Maurerpolier Julius Feige gehörig. Der hatte das alte Haus abgerissen und einen Massivbau gebaut. Die Erben haben dann an den Maurer Julius Töpler aus Nr.20 verkauft. Nach dem Tode der Töplerschen Eheleute, erbte ihre Pflegetochter Flora Biemelt geb. Töpler aus Reibnitz das Haus. Sie war in Kromenau verheiratet. In dem Haus wohnten der Former Fritz Facius und Richard Müller mit Familien bei der Vertreibung.


 

Die letzten Besitzer vom Dienstgarten Nr. 3, Hausnummer 39 waren Oswald und Frieda Baumert. Das war früher die Ernst Schatz'sche Wirtschaft. Die Eheleute Schatz hatten keine Kinder. So nahmen sie die verwaisten Kinder ihrer Schwester, Frau Fiedler geb. Holzbecher in Pflege. Die Pflegetochter Emma übernahm mit ihrem Mann Fritz Feist die Wirtschaft nach dem Tode von Ernst Schatz. Fritz Feist ist in dem Haus Nr. 75 geboren und im 1. Weltkrieg gefallen. Die Witwe hat dann die Wirtschaft geführt, bis sie Tochter und Schwiegersohn übernehmen konnten. Fritz Feist hatte Acker, den sein Vater vom Bauerngut Nr. 75 gekauft hatte, mit in die Nr. 39 gegeben. Ernst Schatz hatte das Wohnhaus und Fritz Feist die Scheune gebaut. Zu den Wirtschaften Nr. 38 und 39 ging nur ein Laufsteg über den Kemnitzbach. Für Fuhrwerk führte durch den Bach eine Furt. Frau Feist hat dann eine Fahrbrücke gebaut.


 

Die Hausnummer 40 war das Hertrampf'sche Haus. Das Haus baute Hertrampf neu auf und in den Jahren 1895 oder 96 erbte es sein Sohn August, der auch Maurer war, wie sein Vater. Er führte auch viele Malerarbeiten durch. Von ihm übernahm es der Sohn Ernst, der auch das Maurerhandwerk erlernt hatte. Die Eheleute Ernst hatten auch eine Tochter, die den Schuhmacher Walter Baier heiratete. Er ist im 2. Weltkrieg gefallen.


 

Die nächste Hausnummer 41 ist der Dienstgarten Nr. 4. Auch dieser war ein alter Familienbesitz. Hermann Weise hatte ihn von seinem Vater übernommen. Seine Frau war eine geb. Schatz aus Riemendorf. Sie starb jung. Aus dieser Ehe war der Sohn Gustav. Weise heiratete dann die Tochter aus Nr. 76 eine Enge Marr. Aus dieser Ehe stammten 2 Söhne und eine Tochter. Als Hermann Weise gestorben war, heiratete die Witwe den Witwer August Kretschmer aus der Nr. 35. Als die Eheleute alt waren, übernahm der Sohn Otto die Wirtschaft, hat sie dann an das Sanatorium verkauft, welches es für die Gärtnerei brauchbar machte. Die Wohnung wurde vom Gärtner Ewald Berger bewohnt. Die Kretschmerleute wohnten in Boberullersdorf bei Sohn Otto Weise. Das Haus ist nach der Vertreibung verfallen und abgerissen worden, da es noch mit Stroh gedeckt war.


 

Ja und jetzt komme ich zum Dienstbauerngut Nr. 1 in Hausnummer 42. Das ist eines der ältesten Familienbesitze, das Stammhaus der Scheckels. Letzter Besitzer war Bruno Scheckel, verheiratet mit Meta Scheckel geb. Biesner aus Altkemnitz. Sie hatten 2 Jungen und 2 Mädchen. Bruno Scheckel stammte aus der zweiten Ehe von Bauer Hermann Scheckel und dessen Frau Auguste geb. Haude aus Boberröhrsdorf. Aus Hermann Scheckels erster Ehe mit Ehefrau geb. Dressler aus Berthelsdorf, waren 7 Kinder. Frau Scheckel starb an Herzschlag.


 

Die nächste Nr. 43 ist das Maurer Römsche Haus. Es war ein kleines Haus. Römsch hat gern einen getrunken. Wenn das der Fall war, hielt er zur Belustigung der Kinder Ansprachen auf der Straße. Die Römsch-Leute hatten keine Kinder. Die Erben hatten darum das Haus an das Sanatorium verkauft. Auf dem Grundstück errichtete das Sanatorium ein großes Wohnhaus für die Angestellten. Aus dem Garten wurde eine Gärtnerei.


 

Aus Berthelsdorf nicht wegzudenken ist das Unternehmen in Nr. 44. Das ist der Dienstgarten Nr. 5 in der Familie Schindler wohnte. Als die Schindler-Leute jung gestorben waren, wurde das Anwesen verkauft. Es wurde von Herrn Ernst Berger erworben, der invalider Polizist war. Während seiner Krankheit hatte er Naturheilkunde erlernt. Seine Frau, eine geb. Sprotte, die etwas Vermögen hatte, ermöglichte ihm, mit der Naturheilkunde anzufangen. Er baute an Stelle des Wohnhauses ein großes Gebäude, das spätere Doktorhaus. Es wurden Anlagen geschaffen und so weiter. Zu Anfang gab es nur Wasserkuren. Später als das große Haus gebaut war, kam ein Arzt in das Sanatorium und so wurde es, wie die letzte Generation es kennt. Nach dem Tode von Ernst und Auguste Berger übernahm der Sohn Adolf Berger den Betrieb mit seiner Frau Anna. Es wurden Vergrößerungen gemacht. Die anderen Bergerkinder waren auswärts verheiratet.


 

Nach dem 1. Weltkrieg kam mit der Reichsversicherung in Berlin ein Vertrag zustande. Nach diesem schickte die Versicherung in der Hauptsache Lungenkranke nach Berthelsdorf zur Kur, da die gesunde Lage des Betriebes es zuließ.


 

Adolf Berger starb in den 20iger Jahren. Und so wurde der Betrieb von Dr. Ernst Berger und seinem Schwager Dr. Breuhaus fortgeführt. Es war auch ein Grundstück vom Bauer Scheckel gekauft worden, so daß insgesamt mit Wald und Anlagen 9 ha dazu gehörten. Auch diese Betriebe mußten die Inhaber an die Polen übergeben.


 

Nummer 45 war das Schatz-Haus, in dem früher eine kleine Krämerei war. Als in der Nr. 62 ein Kramladen entstand, ging dieser Laden ein. Die Nachfolger von Schatz, Enges Erben verkauften das Haus an Julius Sprotte, der es abriß, das Grundstück als Park nutzte.


 

Besitzer der Nummer 46 war bei der Vertreibung, die Witwe Minna Närrlich, verwitwet gewesene Maiwald, geb. Scheckel. Frau Närrlichs erster Mann Maiwald war 1914 - 1918 im Krieg gefallen. Aus dieser Ehe stammte eine Tochter, die an Tuberkulose starb. Den zweiten Mann, den Former Gustav Närrlich hatte sie als Witwe geheiratet. Er starb während des Krieges. Der Vater von Frau Närrlich war der Zimmermann Julius Scheckel aus der Nr. 32 und seiner Ehefrau geb. Schneider aus der Nr. 25. Sie hatten das Haus gekauft. Es war eine große Kinderzahl vorhanden, aber durch Maiwald, er stammte aus Reibnitz, konnte das Haus gekauft werden.


 

Das Haus Nr. 47 gehörte dem Kernmacher Willi Hoffmann und Ehefrau Martha geb. Hempel. Hoffmann hatte es von dem Waldarbeiter, Fritz Kirchnerschen Erben erworben. Die Kirchner Leute hatten keine Kinder. Erben waren die Geschwister von Kirchner.


 

In den Jahren um 1880 kaufte der Grubenbesitzer und Bergrat Julius Sprotte aus Hermsdorf bei Waldenburg viel Land in Berthelsdorf. Zuerst das Freigut, dann das Dienstbauerngut Nr. 2 von den Kunik'schen Erben. Das ist dort, wo die Villa gebaut wurde und der Park entstand. Die Grenze machte die Kemnitz an einer Seite. An der anderen Seite ging die Grenze über den Berg hinter die Bodenlehne hinab bis an die Kemnitz, die einen Bogen machte.


 

Sprotte bewohnte die Villa nur zeitweise als Urlaubsort. Die Wirtschaftsgebäude wurden abgebrochen und an das Freigut angebaut. Nur ein Pferdestall mit Kutscherwohnung wurde aus dem früheren Bauernhof neben der Villa erbaut. Sprotte kaufte noch die Hausnummern 48 und 49. Dort errichtete er Wohnung für den Gärtner. Dort entstand die Gärtnerei. Als Sprotte das Freigut vom Vorbesitzer Schlarbaum erworben hatte, wurde alles anders, auch für Berthelsdorf.


 

Das Freigut ging mit seiner Grenze bis an den Bober. Es war ja fast 500 Morgen groß, hatte auch mehrmals den Besitzer gewechselt. Unter anderen war auch ein Gebhardt Besitzer. Später erwarb Sprotte auch noch das Dienstbauerngut Nr. 3 vom Bauern Schubert. Schubert kaufte sich in Hartau bei Hirschberg ein Haus. Nun lag nur noch der Dienstgarten da, zwischen dem Freigut und Schuberts Gut. Als nun die Besitzer vom Dienstgarten Nr. 6 gestorben waren, verkauften die Erben ebenfalls an Sprotte. So war nun der Kreis geschlossen. Ein Freibauernhof, zwei Dienstbauernhöfe, eine Gärtnerstelle und drei Häuserstellen. Die Ländereien waren verpachtet. Erste Pächter waren Herr und Frau Schubert. Wo die herkamen, weiß ich nicht.


 

Sprotte errichtete dann am Bober eine Holzstoffabrik, Schubert war der Teilhaber. So entstand die Firma Schubert & Co. Später wurde die Fabrik zur Papierfabrik erweitert. Es wurde Zeitungspapier hergestellt. Es entstand ein Wohngebäude für den Direktor und für Angestellte. Auf dem Gelände vom Freigut, wo früher eine Ziegelei stand, wurde ein großes Arbeiterfamilienhaus gebaut.


 

Das Holz zur Papierfertigung brachten zum großen Teil, auch im Winter, Fuhrleute aus dem Isergebirge. Ein Teil kam per Bahn bis Altkemnitz. Die An- und Abfuhr vom Betrieb bis zur Bahn, machten die Bauern Scholz und Scheckel, bis dann die Firma selbst mit Lastautos fuhr.


 

Geschäftsführender Direktor war Herr Paul Bartsch. Nachdem aber die Fabrik durch den Talsperrenbau in das Staugebiet kam, kaufte es die Provinz Schlesien auf und verpachtete den Betrieb an den bisherigen Direktor Bartsch, bis zur Fertigstellung der Sperrmauer.


 

Durch Eingaben der Gemeinde Berthelsdorf, an die Regierung, gelang es dann zu erreichen, daß die Provinz ein 30 Morgen großes Stück Land von Sprotte kaufte und darauf eine neue Fabrik entstand. Sie war 1913 fertig. Herr Paul Bartsch hat dann auch die neue Fabrik gepachtet. Von der alten blieben nur die Wohngebäude stehen. Paul Bartsch war mit einer Tochter des früheren Kretschambesitzers Hornig verheiratet. Die Eheleute hatten einen Sohn und eine Tochter. Als Paul Bartsch starb, trat sein Sohn Erich in die Pacht ein. Nach Pachtablauf übernahm eine Berliner Firma den Betrieb. Es war die Armaturenfabrik Schmidtchen und Co. Erich Bartsch hatte in Oberschlesien eine große Papierfabrik gekauft. Er wohnte aber in Bad Warmbrunn.


 

Pächter der Landwirtschaft (Freigut) war noch Schubert. Er hatte den Betrieb 15 Jahre in Pacht. Dann kam Max Sturm aus Hirschberg, Sohn eines Getränkefabrikanten, der aber nach 3 Jahren fertig war. Der Landwirt Albert Wandel aus der Provinz Posen, übernahm die Pacht, hatte 15 Jahre sehr gut gewirtschaftet. Da aber zwei seiner Söhne aus dem Krieg 1914 - 18 nicht wiederkamen und der Älteste ein Bein verloren hatte, pachtete er nicht weiter. Nach ihm kam der Landwirt Längner aus Neukemnitz. Längner legte dann aus Altersgründen nieder. Danach kam Hauptmann Müller als Pächter. Herr Julius Sprotte ist im Jahre 1913 an Herzschlag gestorben. Als später auch seine Frau starb, machten die beiden Töchter, die Offizierswitwe Frau Starcschke und Frau Fischer, die Erbregelung. Das Vermögen war durch den Krieg und Inflation fast verloren gegangen, und so verkauften sie die Ländereien an Frau Wichmann. Die Villa mit Park und Gärtnerei behielt Frau Fischer. Nach dem Tode von Frau Wichmann erbte die Landwirtschaft, ihre Tochter, Frau Böder. Böder war Rittergutspächter in Fischbach. Er hatte fast den ganzen Wald abgeschlagen und das Gut ausgenutzt. Als es verschuldet war, wurde es an den Landwirt, Herrn Karl Wrede in Klein Baudisch Krs. Jauer verkauft, der auch Besitzer bis zur Vertreibung war.


 

Die Villa hat Frau Fischer, als ihr Sohn Leutnant Dr. agr. Karl-Heinz Fischer und auch der Schwiegersohn, Gefreiter acad. Maler Wittig gefallen waren, an den Architekten, Herrn Stoll aus Berlin verkauft. Frau Fischer wohnte noch in dem Haus. Das Gebäude selbst wurde als Umsiedlungslager für Deutsche aus Rumänien und der Slowakei benutzt. Herr Stoll muß auch verstorben sein, denn 1945 war die Besitzerin Frau Elisabeth Stoll.


 

Von Haus Nr. 53 waren die Erben von Richard Feige Besitzer. Es war das Geburtshaus der Frau Schwanitz aus dem Dienstgarten Nr. 6. Von Frau Schwanitz erbte es die Frau vom Maurerpolier Julius Feige, Emma Feige. Feige baute das ganze Haus um. Julius Feige kaufte in der Zwangsversteigerung den Dienstgarten Nr. 8. Dieser war früher der Familie Enge gehörig. Von den Enge Erben erwarb den Garten Frau Gastwirtin Anna Täuber. Da es Frau Täuber nicht halten konnte, kam es zur Versteigerung, in der es Julius Feige erwarb. Von Julius Feige übernahm sein Sohn Richard Feige Haus und Wirtschaft. Das alte Wohnhaus wurde abgerissen. Richard Feige starb noch im Krieg und so führte seine Frau Ida geb. Hilger, (sie war aus Spiller gebürtig) die Wirtschaft, bis auch sie mit ihrer Tochter die Heimat verlassen mußten.


 

Das Haus Nr. 52 war das Gottwald'sche Anwesen. Letzter Besitzer war der Straßenwärter Bruno Grimmig, da seine Frau Frieda eine geb. Gottwald war. Der Vater von Frau Grimmig war Kriegsverletzter und konnte die kleine Landwirtschaft bearbeiten. Er hieß August Gottwald und hatte das Anwesen von seinem Vater Karl Gottwald übernommen. Karl Gottwald hatte zwei Pferde und fuhr früher Droschke.


 

Der Dienstgarten Nr. 7, Hausnummer 51 war immer im Besitz der Familie Kittelmann. Hermann Kittelmann hatte ihn von seinem Vater übernommen. Nach dem Tode übernahm der Sohn Richard den Besitz. Er war verheiratet, die Frau, eine geb. Brendel, stammte aus Hennersdorf. Er ist im Kriege gefallen. Die Frau mit den Kindern wohnte bis zur Ausweisung auf dem Anwesen.


 

Das Haus Nr. 54 von Emil Hoffmanns Erben, war ein Zweifamilienhaus. Es gehörte früher dem Maurer Lindner, der es zum Teil umbaute. Da Frau Lindners Tochter aus erster Ehe nach Spiller heiratete, verkauften die Erben das Haus an den Fabrikschmied und Elektriker Gustav Schiller. Er baute das Haus ganz und gar aus. Er hat es dann an den Maschinenführer Emil Hoffmann verkauft. Schiller hatte die Niederschmiede in Altkemnitz gekauft und ein Wohnhaus gebaut. Emil Hoffmann ist 1944 verstorben. So waren 1946 zur Zeit der Ausweisung, die Witwe Emma Hoffmann und der Sohn Richard Besitzer. Richard Hoffmann fuhr eine Autotaxe. Er war verheiratet. Seine Frau Else war eine geb. Fritsch aus Spiller Krs. Löwenberg.


 

Jetzt ist die Nr. 50 dran. Das ist die Niederschmiede. Sie wurde von einem Schmiedemeister Schmidt eingerichtet. Nach Schmidt übernahm sie der Schmiedemeister Scholz. Scholz war ledig, 1898 verstorben. Da kaufte Schmiedemeister Opitz aus Voigtsdorf Kreis Hirschberg die Schmiede. Er kaufte auch noch das alte Briensche Haus hinzu zum Abbruch. Die einzige Tochter heiratete nach Gotschdorf den Bauern Klose Kurt. Nach dem Krieg zog Heinrich Opitz in sein Heimatdorf Voigtsdorf, dort ist er auch verstorben. Die Schmiede kaufte der Schmiedemeister Heidrich aus Hertwigswalde Schlesien. Heidrich hatte sie dann aus Altersgründen an seinen Verwandten, Schmiedemeister Martin Heidrich aus Berbisdorf Krs. Hirschberg abgegeben. Dieser war letzter Besitzer.


 

Nr. 61 war auch mehrere Generationen in der Familie Hoffmann. Der alte Hoffmann war Schuhmacher und hatte etwas Land vom Bauerngut Nr. 4 gekauft. Es waren 12 Kinder. Einer konnte nur das Haus übernehmen, das war Hermann. Er ging in die Papierfabrik als Maschinenführer. Durch einen Unfall wurde ihm eine Hand in der Maschine verstümmelt. Da konnte er die Arbeit nicht mehr machen. Er hat dann bis zu seinem Tode das Amt als Gemeindebote und Totengräber versehen. Nach ihm wurde sein Sohn, der Zimmermann Herbert Hoffmann Besitzer des Grundstückes.


 

Nummer 62 ist das Geschäftshaus von Bruno Adolf. Der Vater von Bruno Adolf, Schneidermeister Hermann Adolf, hatte das alte Haus von seinem Schwager Hermann Heidrich erworben. Heidrich zog nach Neukemnitz. Hermann Adolf riß das alte Haus ab und baute neu. In dem Neubau richtete er einen Kramladen ein. Er kaufte auch ein paar Morgen Ackerland, baute das große Nebengebäude auf als Stall, Scheune und Wagenremise, kaufte zwei Pferde und Wagen, hing den Schneiderberuf an den Haken und gründete den Lohnkutscherbetrieb. Doch die allgemein schlechte wirtschaftliche Lage und Krankheit zwangen ihn nach Jahren, das Fuhrwerk aufzugeben. Nach dem 1. Krieg übernahm der älteste Sohn, der Zimmermann Bruno Adolf das Grundstück. Er war verheiratet und hat den Laden durch einen Anbau vergrößert. Da sich im Laufe der Jahre auch dieser Anbau als zu klein erwies, baute er den neuen großen Laden, so wie er zuletzt bei der Ausweisung war.


 

Nr. 63 ist der Dienstbauernhof Nr. 4. Wie die früheren Besitzer hießen, weiß ich nicht. Jedenfalls hatte ein Grundstücksmakler das Bauerngut gekauft. Der hat einige Parzellen an die kleinen Besitzer verkauft. Das Restgut von 76 Morgen kaufte der Bauer Dresler aus Wernersdorf bei Petersdorf, der dann den Hof an seinen Sohn Oswald Dresler übergeben hatte, als die Töchter verheiratet waren. Im Sommer 1894 brannte die Scheune ab. Zwei Jungen hatten beim Spielen in der Scheune eine Fuhre Hafer angezündet. Die Scheune wurde wieder aufgebaut. Oswald Dresler starb 1905 plötzlich an Herzschlag. So hat die Witwe den Hof weiter geführt, bis die Kinder alle groß waren, die dann Erbregelung vollzogen. Ich habe hier nachzutragen: Dresler Oswalds Vater hatte das ganze Gut gekauft, aber es hat ihm in Berthelsdorf nie so richtig gefallen. Da hat er den Hof an den Makler verkauft, der dann wiederum davon Parzellen verkaufte. Da nun Vater Dresler nichts Passendes fand, hat er das Restgut mit Verlust zurückgekauft. Und nun zur Erbregelung von Oswald Dreslers Erben. Die Erben verkauften im freien Verkauf an den Bauern Gustav Scholz Berthelsdorf. Der hatte es für seinen Sohn Paul gekauft. Dieser aber ist im 1. Weltkrieg gefallen. Da die Tochter in Reibnitz verheiratet war, übergab Scholz den Hof an die Enkeltochter seiner Frau. Eine Tochter von Adolf Firll aus Nummer 125. Diese Enkelin war verheiratet mit dem Landwirt Richard Rieger aus Spiller. Die Scholz Eheleute waren verstorben. Scholz war lange Jahre Bürgermeister. So waren die Eheleute Rieger Besitzer vom Dienstbauernhof Nr. 4 bei der Ausweisung aus Berthelsdorf durch die Polen.


 

Das Haus Nr. 66 gehörte bei der Ausweisung der Wirtschafterin Anna Berndt. Anna Berndt hatte das Haus von der Butterhändlerin Witwe Matthilde Jentsch gekauft. Frau Jentsch hatte sich im Haus Wohnrecht auf Lebenszeit behalten. Sie hatte aus ihrer Ehe eine Tochter, die mit dem Schuhmacher Willi Förster verheiratet war, aber kinderlos starb. Daraufhin war der Schwiegersohn weggezogen. Der Ehemann von Frau Jentsch, war auch gelernter Schuhmacher, arbeitete aber als junger Mann in der Gießerei. Später fuhr er mit auf den Handel. Da sie Pferd und Wagen hatten, machten sie bei den zweimaligen Fahrten in der Woche nach Hirschberg auch das Botengeschäft für die Berthelsdorfer. Frau Jentsch hatte das Haus von ihren Eltern erworben. Sie hatte noch eine Schwester. Auch ihre Mutter hatte schon Butter in den Dörfern Riemendorf, Matzdorf, Spiller und Berthelsdorf aufgekauft. Ihr Vater war ebenfalls Schuhmacher, hat aber bei Fliegel gearbeitet. Er hieß Kahl. Kahl hat ein Stück Grasgarten an den Gastwirt Jonatan Teuber und seine Ehefrau aus Petersdorf verkauft. Das war Anfang der achtziger Jahre im vorigen Jahrhundert.


 

Auf diesem Grundstück erbaute Teuber den Gasthof "Deutscher Kaiser", Haus Nr. 64. Der Gasthof war gern Ausflugsziel der Hirschberger. Dann übernahm der Sohn Robert mit seiner Frau Anna den Betrieb. Im Jahre 1905 baute Robert Teuber den großen Tanzsaal. Er hat auch 1915 den Dienstgarten Nr. 8 hinzugekauft, den später der Maurerpolier Julius Feige nach dem Tode von Robert Teuber gekauft hat. Die Witwe Anna Täuber hat den Gasthof noch fortgeführt mit dem Namen "Deutscher Hof". Als dann Krankheit und Alter Frau Täuber zwangen, das Geschäft zu verkaufen, kaufte es der Gastwirt und Fleischermeister Richard Hoppe aus Nr. 96. Er verpachtete an seinen Schwager Georg Schmiedel, der den Betrieb wieder hochbrachte.


 

Haus Nr. 65 hatte als Besitzer August Latzke. Er hatte auch Land gekauft und eine Kuh. Er selbst war als Kutscher bei der Firma Fliegel beschäftigt. Fuhr er doch fast täglich mit einem Pferd (dem Michel) zur Firma Eugen Füllner nach Warmbrunn. Nach dem Tode seiner Frau, heiratete er die Witwe Schwanitz aus Riemendorf. Sie brachte vier große Kinder mit in die Ehe, Gustav, Guste, Hermann und Anna. Aus seiner ersten Ehe hatte Latzke eine Tochter. Sie starb im Alter von 18 Jahren. So kam es, daß Anna Schwanitz mit ihrem Ehemann, dem Tonwarenhändler Friedrich Wünsche das Haus übernahm, als Latzke zu alt war. Wünsche hat viel gebaut an dem Haus, Acker von Rudolf Bormann und Wilhelm Baier gekauft. Die Wünsche Leute waren noch Besitzer im Jahre 1946.


 

Die Hausnummer 67 war nicht mehr da. Der Bauer und Gemeindevorsteher Gottlieb Hielscher hatte das Haus gekauft. Es wurde damals von Maurer Feige mit Frau und dem Jungen bewohnt. Er hatte den Namen Kübel-Feige, da er gern einen trank. So wird angenommen, daß er im betrunkenen Zustand unvorsichtig mit Feuer umgegangen ist. Denn das Haus brannte nieder und die Eheleute Feige sind mit verbrannt. Nur der neun oder zehn Jahre alte Junge konnte noch von einem Nachbarn gerettet werden.


 

Das Grundstück Nr. 68 war früher das sogenannte Schmiedegut. Es war das Dienstbauerngut Nr. 5. Der Bauer war auch zugleich Schmiedemeister mit Namen Schmidt. Die Erben haben die Wirtschaft einem Makler verkauft, der dann den Acker parzellenweise verkauft hat. So konnten alle kleineren Betriebe Acker zukaufen. Die Restwirtschaft hat der Landwirt Ziegert um das Jahr 1880 gekauft. Nach seinem Tode heiratete die Witwe den verwitweten Landwirt Meissner. Als die Leute alt waren, verkauften sie es an den Landwirt Wilhelm Baier aus Kemnitz. Baier hatte mehrere Kinder. Er war ein sehr fleißiger Mann. Durch ein nie geklärtes Brandunglück brannte das Wohnhaus nieder. Da hat Baier den Acker verkauft und hat sich in der Heide angekauft. Einen Teil Acker hatte Wünsche aus Nr. 65, einen Teil Richard Häring aus Nr. 77 erworben. Zu der Wirtschaft gehörte auch die Parzelle Hasenhübel. Die hatte 1898 Herr Sprotte von Herrn Meissner erworben. Herr Sprotte hatte die Absicht, dort einmal ein Haus für die älteste Tochter zu bauen. Dann hat Dr. Ernst Berger den Bauplatz erworben und war Besitzer bis 1946.


 

Das Dienstbauerngut Nr. 6, Haus Nr. 69 gehörte bei der Vertreibung dem Bauern Bruno Hielscher. Das Bauerngut hatte der Großvater von Bruno Hielscher, aus der Nr. 74, in der Zwangsversteigerung gekauft. Es sollte sein zweiter Sohn Friedrich übernehmen. Er starb noch in den mittleren Jahren, hatte aber im Testament bestimmt, daß die Witwe mit den Erben das baufällige Wohnhaus neu zu bauen hatten, ehe sie an den Sohn Friedrich übergab. So hat sie das alte Wohnhaus mit Stallungen abreißen lassen und neu gebaut. Als dann Friedrich Hielscher die Wirtschaft übernahm, fing er den Transport für die Papierfabrik an. Da hat er einen Pferdestall für 6 Pferde und eine Wagenremise sowie noch ein Wirtschaftsgebäude gebaut. Während dieses Baues ist er an Lungenentzündung gestorben. Die Witwe heiratete dann den Bauernsohn Gustav Scholz aus Reibnitz. Der hat die Scheune neu gebaut. Als dann der Sohn von Friedrich Hielscher, Bruno 1919 den Hof übernahm, zog Scholz in das von ihm gekaufte Haus Nr. 63.


 

Bruno Hielscher kaufte das Haus Nr. 70 hinzu. Damit konnte er eine bessere Zufahrt für den Hof schaffen. Es gehörte den Hermann Friedrichschen Erben, genannt Bergfriedrich. Frau Friedrich hatte Wohnrecht in dem Hause auf Lebenszeit. Also gehörten Bruno Hielscher bei der Vertreibung die Häuser Nummer 67, 69 und 70.

Das Haus Nr. 71 und ein paar Morgen Land vom Gut Nr.69 gehörte zu meiner Jugendzeit dem Landarbeiter Firll. Firll hatte dort eingeheiratet, er stammte aus Neukemnitz. Nach dem Tode führte die Witwe mit dem Sohne die kleine Wirtschaft fort. Der Sohn arbeitete in der Papierfabrik. Später übernahm die Tochter der Witwe, Frieda Raupach das Haus, hat es aber noch 1941 oder 1942 an Dr. Ernst Berger verkauft, da sie nach Rabishau heiratete. Es sollte für einen Neubau Platz machen.


 

Nummer 72 war im Besitz von Reinhold Seidel, mit einigen Morgen Land von Nr. 67. Er hatte drei bis vier Stück Rindvieh. Seine Frau geb. Reimann, war aus Riemendorf. Sie hatten einen Sohn und eine Tochter, die von den Russen ermordet wurde. Reinhold Seidel hatte von seinem Vater nach dessen Tod den Besitz übernommen. Es waren vier Geschwister. Der Vater war Maurer und hatte das ganze Haus massiv gebaut. Seine Frau war eine geb. Raschke. Da ihr Bruder die Stellmacherei gelernt hatte, hat sie das Grundstück von den Eltern übernommen. Ihr Vater war Topfeinstricker, er war unter dem Namen Kitraschke in den Dörfern bekannt. So war er oft wochenlang unterwegs auf Arbeit und kam auch am Wochenende nicht nach Hause zu seinen Angehörigen. Als er sich aber länger als sonst nicht zuhause meldete, forschte die Frau nach ihm. Da meldeten sich Leute, die sagten wo sie ihn zuletzt getroffen hatten. Nun wurde gesucht und man fand ihn etwa 500 Meter vom Dorfe entfernt. Er war vom Weg abgekommen und einen steilen Berg hinunter gestürzt. Dort war er gestorben. Geschehen im November des Jahres 1902.


 

Und nun die Hausnummer 73, das Dienstbauerngut Nr. 7, das ein alter Familienbesitz der Familie Gebhardt war. Die Gebhardts stammten wahrscheinlich aus dem Freibauerngut, denn auch dort waren lange Gebhardt Besitzer. Der letzte männliche Gebhardt auf dem Dienstbauerngut war Hermann Gebhardt. Er hatte den Hof vom Vater übernommen. Wohnhaus und Schuppen waren sehr alt, sie brannten einige Tage vor Pfingsten 1901 auf ungeklärte Weise nieder. Gebhardt baute wieder auf. Hermann Gebhardt ist ledig geblieben. Zuerst hatte ihm seine jüngste Schwester, nach ihrem Tode eine Nichte, die Wirtschaft geführt. Als die Nichte heiratete, hat sie mit ihrem Mann, Oswald Höher das Bauerngut übernommen. Im Februar 1926 brannte die Scheune nieder, wurde aber wieder aufgebaut. Die Eheleute hatten nicht so ganz richtig gewirtschaftet und so kam es zur Zwangsversteigerung. Ich glaube es war im Jahre 1940. In der Versteigerung erwarb es der Bauer Bruno Hielscher aus Nr. 74.


 

Nummer 74 ist das Dienstbauerngut Nr. 8. Dieser Hof ist das Stammhaus der Familie Hielscher. Es war die älteste Familie des Ortes. Sie war dort schon vor dem Dreißigjährigen Kriege ansässig. Bei der Vertreibung war Bruno Hielscher Besitzer. Er hatte den Hof 1932 nach dem Tode seines Vaters, Gustav Hielscher übernommen. Gustav Hielscher übernahm den Hof von seinem Vater Karl Hielscher, der war lange Jahre Gemeindevorsteher. Auch er hatte den Hof von seinem Vater Gottlieb Hielscher übernommen. Im Oktober 1894 brannte die Scheune durch Brandstiftung nieder. Karl Hielscher baute etwas größer und ganz massiv wieder auf, aber 1933 schlug der Blitz in die Scheune ein und zündete, da noch viel Stroh darinnen lagerte. Bruno Hielscher hat wieder vergrößert und mit Hocheinfahrt aufgebaut.


 

Gottlieb Hielschers Frau war aus Johnsdorf bei Spilller. Er mußte an die Grundherrschaft in Neukemnitz 100 Taler als Entschädigung für die verlorene Arbeitskraft bezahlen. So war es in der guten alten Zeit, als noch die Erbuntertänigkeit galt. Wenn auch die Reform Freiherr v. Stein's schon früher erlassen war, so war sie noch reformbedürftig.


 

Die Häuslerstelle Hausnummer 76 hat mehrmals den Besitzer gewechselt. Der älteste Bruder von Gottlieb Hielscher hatte dort eingeheiratet. Aus dieser Ehe stammen ein Sohn und eine Tochter. Die Tochter heiratete einen Enge aus Berthelsdorf und übernahm das Haus und den Acker, den Hielschers von Nr. 68 gekauft hatten. Auch aus dieser Ehe stammten ein Sohn und eine Tochter. Der Sohn lernte Stellmacher und war im Kreise Landeshut ansässig geworden. Die Tochter Marie heiratete den Dienstgärtner Hermann Weise aus Nummer 41. Nach Enges Tod verkauften die Erben das Grundstück an den Landwirt August Gebhardt. Er war der Bruder von Hermann Gebhardt aus Hausnummer 73. Seine Frau war eine geborene Enge aus Nr.47 in Berthelsdorf. Die Tochter hatte einen Fleischermeister in Lauban geheiratet. Der Sohn Bruno hat das Grundstück übernommen. Er ist im Kriege 1914 - 18 gefallen. Er hinterließ die Witwe, eine geb. Gabriel und zwei Jungen. Die Witwe hat dann den Kriegsinvaliden Richard Liebig geheiratet. Liebig war der jüngste Sohn von Bäckermeister Liebig in Berthelsdorf. Er konnte schlecht laufen, dieweil er an beiden Füßen die Zehen verloren hatte. Aus dieser Ehe stammte der Sohn Gerhard. Aus der Ehe mit Gebhardt, ist ein Junge 1919 an Grippe gestorben. Der andere Sohn Reinhold ist im 2. Weltkrieg gefallen. Richard Liebig starb noch sehr jung, etwa 1930 - 31. Frau Liebig hat dann den Acker verpachtet, blieb aber Besitzerin von Haus und Acker.


 

Die Hausnummer 75 hatte Karl Hielscher von den Feist-Erben gekauft. Feist war jahrelang Nachtwächter. Es waren auch ein paar Morgen Acker auf Nr. 68, den behielten die Erben. Feist trank gern und machte nichts am Haus, so daß es nur noch zum Abreißen war. Aber der Morgen Grasgarten kam zum Bauerngut Nr. 74.


 

Die Nummer 77 war der Dienstgarten Nr. 9. Der war auch Familienbesitz und hat sich, soweit ich weiß, in der weiblichen Linie vererbt. Ein gewisser Friedel Menzel aus Spiller (aus dem Gut, aus dem der letzte Besitzer ein gewisser Richard Meier war) heiratete in den Dienstgarten. Es war seine Cousine. Das Elterngut war ihm zu groß, um es zu übernehmen. Er nahm als Heiratsgut 8 ha Grundstück, den sogenannten Böhmerberg, meist Wald und Wiese, mit. Menzels Leute hatten einen Sohn und eine Tochter. Der Sohn hatte zur Landwirtschaft keine Lust. Die Tochter Pauline heiratete den Cousin Bruno Hoffmann aus Spiller. Er war ein Großbauernsohn und übernahm das Grundstück. Bruno Hoffmann war fast 25 Jahre Gemeindevorsteher. Die drei Söhne blieben im großen Krieg. So übernahm die jüngste Tochter mit ihrem Mann Richard Häring den Dienstgarten. Das waren tüchtige Landwirte. Häring hat noch ein paar Morgen von Nr. 68 gekauft, es waren bei der Vertreibung rund 49 Morgen. Die Häring-Leute hatten keine Kinder. Den Neffen Helmut Wolf hatten sie als Pflegesohn angenommen, damit er erben sollte. Aber er starb im 2. Weltkrieg an Krankheit.


 

Die Nummer 78, das Bartsch-Haus, gehörte Julius Bartsch, der Schuhmacher war. Er führte nebenbei einen Tabakladen. das Haus hatte er von den Eltern übernommen. Die Tochter war in Straupitz verheiratet, der Mann war dort Buchhalter. Der Sohn Richard ist im Kriege 1914- 18 gefallen. Nach dem Tode der Bartsch-Leute verpachtete der Schwiegersohn das Haus. Es wohnten meines Wissens, folgende Leute darin: Schuhmachermeister Kretschmer aus Boberullersdorf, Hermann Christ, Sohn von August Christ, Schuhmachermeister Walter Baier und bei der Vertreibung, wohnte eine Familie Rothe und Familie Höher drin. Bruno Höher war gefallen.


 

Das Haus Nr. 79 gehörte einem Opitz. Von Opitz übernahm es der Schwiegersohn, ein gewisser Feige. Er war Bauarbeiter. Frau Feige blieb auch Besitzerin, als der Mann gestorben war. Erst nach ihrem Tode übernahm es der Sohn, der als Former bei Fliegel arbeitete. In dem Haus wohnte auch der Schwiegersohn von Frau Feige, der Masseur Wünsche mit Familie. Der Former Feige hat das Haus nicht viele Jahre gehabt, er starb, kurz danach auch seine Frau. Die Erben verkauften dann an den Tischlermeister Reinhard Gebauer aus Agnetendorf, der schon im Ruhestand war. Die Gebauers Erben haben dann das Haus an den Fabrikarbeiter Gustav Heidrich verpachtet aus Nr. 34.


 

Haus Nr. 80 gehörte bei der Vertreibung dem Straßenwärter Hermann Schmidt. Um die Jahrhundertwende war der Maurerhilfsarbeiter Siebeneicher Besitzer. Er hatte dort eingeheiratet, stammte aber aus Johnsdorf bei Spiller. Er hat das Haus umgebaut, wie es noch zuletzt war, doch als das Haus fast fertig war, ist Siebeneicher an Lungenentzündung verstorben. Auch das kleine Mädchen starb vorher an Diphterie. Da hat die Witwe Siebeneicher den Landarbeiter August Schmidt aus Hindorf geheiratet. Er brachte aus seiner ersten Ehe den Sohn Hermann mit, der 5 Jahre alt war. Da August Schmidt mit seiner Frau in zweiter Ehe keine Kinder hatte und Frau Schmidt sehr an dem Kind hing, erbte er das Grundstück. Er hatte eine Frau aus Reibnitz, eine geb. Reich geheiratet, mit der er zwei Töchter und einen Sohn hatte.


 

In dem Haus Nr. 81 war der letzte Besitzer der Tischlermeister Robert Heifel. Er war geborener Berthelsdorfer aus Nr. 21. Robert Heifel hatte die einzige Tochter von Schlosser Kirschke geheiratet, er hat die große Tischlerwerkstatt gebaut. Kirschke stammte aus Görlitz. Er hat in das Haus eingeheiratet und von Grund auf neu gebaut.


 

Die nächste Nummer ist der Dienstgarten Nr. 10, Hausnummer 82. Letzter Besitzer, Modelltischler und Landwirt Paul König mit seiner Ehefrau Hedwig geb. Lehmann. Paul König hatte 1914 den Dienstgarten nach dem Tode seines Vaters, dem Tischlermeister Gottlieb König übernommen. Gottlieb König hatte in den 80iger Jahren gekauft. Von wem weiß ich nicht mehr.


 

Die Stellmacherei von Gustav Hochsattel hatte die Haus Nr. 83. Gustav hatte das Grundstück von seinen Eltern, Stellmachermeister Julius Hochsattel und seiner Ehefrau geb. Finger übernommen. Er baute eine neue Werkstatt, während Julius Hochsattel schon das Wohnhaus und die Scheune gebaut hatte. Gustav hat auch einige Morgen Land vom Dominium gekauft. Julius Hochsattel war geboren in der Hausnummer 86. Der Stellmachermeister war bekannt für gute Arbeit zu gerechten Preisen.


 

Auf dem Grundstück Nr. 84 baute der Former Gustav Lätsch 1898 ein großes zweistöckiges Haus mit Laden. Seine Töchter Martha und Helene führten den Gemischwarenladen und Damenputz mit seiner Ehefrau Pauline. Der Sohn Friedrich hatte Industriekaufmann gelernt, er war in Kassel. Die Tochter Wanda war mit einem Postbeamten in Hirschberg verheiratet. Nach dem Tode der Eltern führten die Töchter Helene und Martha das Geschäft weiter. Helene wurde nervenkrank und kam nach Plagwitz und Martha führte das Geschäft bis zur Vertreibung. Das Grundstück hatte Lätsch nur zur Hälfte gekauft. Auf die andere Hälfte baute 1911 die Gemeinde die 2. Schule. In der Schule hat der Lehrer Max Weidner bis zur Vertreibung gewirkt. Das Grundstück gehörte früher dem Müllermeister Bormann.


 

Die Hausnummer 85 war zu meiner Zeit von den Friedrich'schen Eheleuten bewohnt. Friedrich war Handlanger bei der Firma Karl Worbs. Er ist 1898 gestorben. Frau Friedrich starb etwas später. Da kaufte Herr Julius Sprotte das Haus und schenkte es der Gemeinde als Schulgarten, knüpfte jedoch die Bedingung daran, daß dieses Grundstück nicht als Bauplatz genutzt wird. Von dem Grundstück war schon ein ganzer Streifen zum Straßenbau verkauft worden.


 

Das nächste Haus, die sogenannte obere Schule, ist das Haus, wo wir älteren Leute lesen und schreiben gelernt haben. Der Besitzer von Haus Nr. 86 erhielt eine kleine Parzelle vom Bauerngut Nr. 96. Die Besitzer von 85 + 86 behielten aber das Recht, das Wasser, was sie brauchten, aus der Pumpe zu holen. Zur Zeit des Neubaues war ein Lehrer mit Namen Döring, dann folgte Charneski, Fulde, Voigt und zuletzt Fritz Schönfelder. So wird sich mancher dieser Stätte mit Wehmut erinnern.


 

Die Hausnummer 86 war früher beim Schneider Hochsattel, der auch einen kleinen Kramladen hatte. Hochsattel kaufte Waren in Görlitz ein, holte sie auch zu Fuß in Görlitz ab. Nach einer solchen Tour, ist er an einer schweren Lungenentzündung gestorben. Die Witwe heiratete dann den Schneidermeister Stumpe. Er hatte das Amt als Steuereinnehmer. Die Erben haben das Haus an den Landarbeiter Robert Heidrich verkauft. Um das Jahr 1900, nachdem Frau Emma Heidrich gestorben war, zog Robert Heidrich zu Frau Raupach Nr. 71. Das Haus mietete der Arbeiter Paul Exner. Es brannte dann an einem Sonntagabend (Palmarum) nieder. Die Bewohner waren nicht zu Hause. Die Brandstelle kaufte der Schuhmachermeister Walter Beier, er wollte darauf einen Neubau errichten. Leider ist er im 2. Weltkrieg gefallen. Den Grasgarten erwarb der Stellmacher Rudolf Hochsattel.


 

Das Haus Nr. 87 gehörte dem Stellmacher Christ. Christ hatte früher die Nr. 89. Später verkaufte er die Nr. 87, an den Weber Heinrich Hülse aus Grunau. Seine Ehefrau war eine geb. Maiwald. Die Leute machten aus der Stellmacherwerkstatt einen Gemischtwarenladen. Der Laden ging sehr gut, da er in der Mitte des Dorfes lag, und der benachbarte Kramladen Hochsattel wegen Todesfall geschlossen war. In der großen Wohnstube standen zwei Webstühle bis in Berthelsdorf eine Postagentur eingerichtet, die Herrn Hülse übertragen wurde. Hülse hat das ganze Haus nach und nach neu gebaut. Die Leute hatten 2 Söhne und 1 Tochter. Die Tochter hat einen Briefträger in Altkemnitz geheiratet. Der jüngste Sohn lernte Kaufmann, blieb aber nicht in Berthelsdorf, sondern hatte in Stralsund ein Tabakgeschäft. Heinrich Hülse hat auch 1899 das Nebenhaus gebaut. Das ganze Haus und den Laden mit der Post übernahm der Sohn Oswald. Er mußte den großen Schuppen, rechts vom Haus, wegen des Straßenbaues abreißen lassen. So war das Nebenhaus ein Ersatzbau. Die Wohnung oben war immer vermietet. Oswald Hülse und Luise - diese stammte aus der Gegend von Seedorf bei Liegnitz - hatten 3 Söhne und zwei Töchter. Oswald Hülse erbaute noch den neuen Postraum, starb jedoch sehr jung am 26.07.1926. Da führte die Frau mit Hilfe der Kinder Post und Laden weiter. Der älteste Sohn Fritz hatte Kaufmann gelernt. Er machte die Post, starb aber schon am 13.04.36 an Tuberkulose. Die Post führte die Tochter Anneliese weiter. Der Sohn Paul ging in die Papierfabrik, er wohnte mit seiner Frau im Nebenhaus. Er hatte im Krieg eine Hand verloren. Der jüngste Sohn Herbert ist im 2. Weltkrieg gefallen. Frau Hülse hatte ein schweres Augenleiden, an dem sie schließlich erblindete. Tochter Charlotte half ihr im Geschäft und machte den Haushalt. Das ganze Anwesen wurde am 08.05.1945 anläßlich der Brückensprengung durch deutsche Truppen, vollständig zerstört.


 

Die Nr. 88 war das frühere August Mährlein Haus. Zu meiner Zeit wohnte die Witwe Mährlein allein darin. Mährlein war im Krieg 1914 - 1918 geblieben. Frau Mährlein lebte von der kleinen Witwenrente. Im Sommer hatte sie Zimmerleute von der Firma Worbs in Quartier. Nach ihrem Tode kaufte der Fleischermeister Ernst Hoppe das Grundstück. Das Haus wurde abgerissen.


 

Nr. 89 gehörte zuerst dem Stellmacher Christ. Er verkaufte es an den Hauptmann Seidel, der es so baute, wie es z. Zt. der Vertreibung noch stand. Seidel verkaufte an Fleischermeister Hoppe, der es dann an den Tischlermeister Jakob verkaufte. Nach dessen Tode erwarb es die Gemeinde. Sie richtete dort vorübergehend die 2. Schule ein und eine Schwesternstation. Als die 2. Schule 1911 fertig war, wurde die Wohnung an den Schneidermeister Hermann Latzke vermietet.


 

Nr. 90 war das Weinhold'sche Haus. Weinhold's hatten 2 - 3 Kühe, da sie einige Morgen eigenes Land und etwas Pachtland auf der Nr. 68 + 64 hatten. Der Sohn Julius arbeitet als Brettschneider bei der Firma Bormann. Seine Frau starb und auch die Eltern. So verkaufte er an den Fleischermeister Ernst Hoppe. Weinhold zog nach Ludwigsdorf/Rsgb. Hoppe hatte den Acker weiter verkauft. In dem Haus war jahrelang ein Friseurladen. In Erinnerung habe ich noch das Ehepaar Palm, dann Friedrich. Zuletzt arbeitete der Friseur Tamm in dem Haus. Tamm ist aber im 2. Weltkrieg gefallen.


 

Das Haus Nr. 91 war die Messerschniede. Dort wohnte der Messerschmied Schatz und seine Frau aus Dienstgarten Nr. 8. Er hatte das Grundstück in den 80iger Jahren gekauft und die Schmiede über der Straße erbaut. Das Wohnhaus wurde zu einem Familienwohnhaus umgebaut. Der einzige Sohn Bruno ist 1917 gestorben. Da verkaufte Schatz das Haus und zog nach Scheibe im Isergebirge. Die Firma Fliegel erwarb das Grundstück. Später, etwa 1930, kaufte der Rentner Ernst Scheuermann aus Reibnitz das Haus, in welchem das Gemeindebüro untergebracht wurde. Bei der Vertreibung wohnte Scheuermann und die Witwe Reinhardt mit Tochter in dem Haus.


 

Haus Nr. 92 gehörte früher dem Handelsmann August Müller und Frau. Die Eheleute fuhren mit Pferd und Wagen durch die Dörfer und kauften in der Hauptsache Butter und Eier auf, gelegentlich auch Hafer. Damit fuhren sie nach Hirschberg zum Markt. Durch einen Unfall brach sich Müller beide Beine. Er konnte daher nur auf Krücken gehen. Die Frau kaufte weiter Butter und Eier auf. Sie fuhr aber nur noch mit dem Handwagen, bis sie aus Altersgründen nicht mehr konnte. Sie hatten zwei verheiratete Töchter. Die eine Tochter heiratete einen Gastwirt und wurde Frau Schubert. Ich weiß aber nicht wo. Die andere Tochter heiratete den Handelsmann Stephan aus Straupitz. Nachdem sie Witwe war, hat sie die Eltern bis zum Tode betreut. Das Haus wurde verkauft und der Gerbereiarbeiter Hermann Dittrich kaufte es. Er hatte drei Söhne. Der älteste Sohn Oskar fiel im 1. Weltkrieg und der jüngste Sohn Erich im 2. Weltkrieg. Der mittlere Sohn Fritz war bis zur Vertreibung als Briefträger tätig. Von den zwei Töchtern war eine in Glatz und die andere in Berlin verheiratet. Bis zur Vertreibung wohnten die alten Dittrichs mit der Witwe vom Sohn Erich und der Enkeltochter zusammen.

Haus-Nr. 93 war der Dienstbauernhof Nr. 9. Es war das Stammhaus der Familie Siebenhaar. Als der letzte Besitzer Siebenhaar verstorben war, und nur noch eine ledige, minderjährige Tochter da war, wurde das Gut an den Makler Schubert verkauft. Schubert verkaufte das Land hinterm Kirchensteg bis an den Grenzweg an das Dominium. Das Restgut, es waren noch über 70 Morgen Land, kaufte der Landwirt und Getreidehändler Hermann Schatz aus Reibnitz. Hermann Schatz ist 1893 verstorben. Da übernahm der älteste Sohn Gustav den Hof. Er heiratete 1900 die Tochter von Schmiedemeister Hoffmann, baute den ganzen Hof um und modernisierte ihn. 1938 starb der Sohn Erich einen selbstgewählten Tod. Die Tochter Ida heiratete den Landwirt Reinhard Tischer aus Spiller. 1943 brannte auf ungeklärte Weise, das erst einige Jahre zuvor neu eingedeckte Wirtschaftsgebäude nieder, ist aber trotz Kriegsbelastungen wieder aufgebaut worden. Frau Schatz starb 1940. Frau Tischer wäre Nachfolger geworden.

Dem Hof gegenüber auf dem Fiebig stand früher das alte Gemeindehaus. Da es ganz und gar baufällig geworden war, hat es die Gemeinde abgerissen. Das kleine Grundstück hatte Schatz gekauft. Das Bauerngut war früher ein Vorwerk. Der Besitzer, mit Namen Scheckel, soll sich des Ehebruchs schuldig gemacht haben. Da der Grundherr die Strafe festsetzen konnte, hatte er Scheckel zur Leistung von Gespann- und Handdiensten beim Bau der Niedermühle 1601 verurteilt. Er konnte aber den Verpflichtungen nicht nachkommen und geriet in Schulden bei dem Grundherrn. So soll alles Land, der Scheckelberg, der Scheckelgrund und der Wald bis an die Reibnitzer Grenze an die Grundherrschaft gekommen sein. Den Bauernhof hat der herrschaftliche Kutscher als Siedler bekommen. So habe ich es noch aus Erzählungen der alten Leute in Erinnerung.


 

Nr. 94 ist die Bäckerei. Wie der Bäckermeister geheißen hat, der das Haus gebaut und die Bäckerei eingerichtet hat, weiß ich nicht mehr. Von ihm kaufte der Bäckermeister Laube, der eine Bäckerei in Hirschberg auf der Dunklen Burgstraße hatte. Ernst Liebig, der die Bäckerei übernahm war gebürtig aus Kynwasser und hatte in Schreiberhau eine Bäckerei gehabt. Er war ein tüchtiger Meister in seinem Fach. Von den 4 Kindern hatte eine Tochter einen Angestellten aus der Papierfabrik geheiratet. Der Sohn Richard war in Nr. 76 verheiratet. Der zweite Sohn Max war Bäcker und hatte eine Tochter vom Neumann-Bäcker aus Gotschdorf geheiratet. Max übernahm nach dem Tode von Ernst Liebig den Betrieb. Sohn Paul war auch Bäcker, ist aber ledig geblieben. Nach einigen Jahren verkaufte Max Liebig an den Bäckermeister Heinrich Neudeck. Liebig hatte ein Geschäft im Kreise Bunzlau gekauft. Neudeck war noch Inhaber bei der Vertreibung, ist dann hier gestorben. Zwischenzeitlich hatte der Bäcker- und Konditormeister Radetzki das Geschäft gepachtet.


 

Der Dienstgarten Nr. 11, Hausnummer 95 ist das Karl Worbs'sche Baugeschäft. Herr Worbs hat die Tochter Anna des Zimmermeisters Kleinert geheiratet und dem Zimmereigeschäft auch das Maurergeschäft angegliedert. Er hat es zu großem Ansehen geführt. So hatte er im Sommer fast immer über 200 Mann beschäftigt. Der Sohn Kurt hatte auch das Bauwesen studiert. Er hat den elterlichen Betrieb nach dem Tode des Vaters übernommen. Krankheit zwang ihn, den Betrieb aufzugeben. Zuerst verpachtete er an den langjährigen Bautechniker des Betriebes, Herrn Gustav Scholz. Aber schon nach wenigen Jahren starb Herr Scholz. Da übernahm ein Cousin von Kurt Worbs den Betrieb. Zuerst pachtweise, nach einigen Jahren erwarb er den großen Zimmerei- und Lagerschuppen durch den Vormund von Kurt Worbs. Aber auch Ernst Worbs verschied nach einigen Jahren. Ernst Worbs und seine Frau hatten einen Sohn Kurt, der ist aber im 2. Weltkrieg gefallen. So hat die Witwe das Geschäft fortgeführt mit Hilfe des Bautechnikers Lothar Rother.


 

Die Landwirtschaft war durch Landzukauf vom Dominium auf 8 ha gewachsen, jedoch mußte sie verpachtet werden, da Herr Worbs nicht fähig war, die Arbeit zu leisten. Die ersten Pächter waren die Oswald Christ-Eheleute, ihnen folgte Max Appelt und Frau bis zur Vertreibung . In dem großen Wohngebäude wohnten der Besitzer Kurt Worbs (er war noch ledig), der Pächter Appelt, der Maschinentechniker Walter Quasdorf, der Maurer Hermann Christ und der Fabrikarbeiter Paul Schmarander, alle mit Familien. Kurt Worbs ist seit Ende 1946 verschollen. Herr Walter Quasdorf ist im Herbst 1946 von den Polen ermordert worden. Sein einziger Sohn ist schon als Schüler aus dem Zug gefallen. Die anderen Bewohner sind bis auf Hermann Christ nach hier in den Westen gekommen.


 

Das nächste Haus Nr. 96 gehörte dem Fabrikschmied Julius Kober mit Frau. Der Sohn Karl war im 1. Weltkrieg gefallen. Nach dem Tode der Eltern übernahm die Tochter Frieda das Haus mit Ihrem Mann, den herrschaftlichen Kutscher Oswald Klein. Die anderen Töchter von Julius Kober waren auswärts verheiratet.


 

Das Haus Nr. 97 gehörte früher dem Landarbeiter Elsner. Von Elsner übernahm es Fabrikarbeiter Heinrich Schöbel. Er war der Schwiegersohn von Elsner und stammte aus Dienstgarten Nr. 1, Haus Nr. 35. Die Leute hielten eine Kuh, da sie etwas Pachtland vom Dominium hatten. Als die Schöbelleute verstarben, verkauften die beiden Töchter an den Fabrikarbeiter Willi Närrlich, der bei der Firma Fliegel arbeitete. Seine Frau war eine geborene Wiesner aus Gotschdorf. Sie starb von einer großen Kinderzahl. Närrlich hatte den Pachtacker noch zugekauft, später noch einmal geheiratet. Aus dieser Ehe kamen nochmal 2 Kinder. Der älteste Sohn ist im 2. Weltkrieg gefallen. Auch Willi Närrlich wurde noch einberufen und ist nicht mehr zurück gekommen. So war das Haus mit Land bis zur Vertreibung eine Erbengemeinschaft.


 

Und nun kommt das Haus Nr. 98, wo die Berthelsdorfer Männer gar viel schöne Stunden verlebt haben, auch die Hausfrauen schätzten das Geschäft sehr und so mancher Autofahrer kehrte dort gern ein. Es war Hoppe's Gasthaus und Fleischerei. Richard Hoppe und seine Ehefrau Emma geb. Raupach standen in hohem Ansehen. Frau Hoppe war in Steinseifen geboren. Richard Hoppe hatte das Geschäft von seinem Vater, dem Fleischermeister Ernst Hoppe übernommen. Ernst Hoppe hatte es vom Fleischermeister und Viehhändler Raschke erworben. Raschke zog nach Reibnitz. Richard Hoppe führte auch einen Schlachtviehhandel. So kamen jeden Montag die Fleischermeister aus der Umgebung und kauften Schlachtvieh ein. Um für seine Kinder zu sorgen, kaufte er den Gasthof "Deutscher Hof" und verpachtete erstmal an seinen Schwager Georg Schmiedel. Hoppes hatten 5 Kinder. Der ältesten Tochter Wanda, die den früheren Gutsinspektor Raabe geheiratet hatte, kaufte Richard Hoppe einen Bauernhof in Süßenbach bei Lähn. Die zweite Tochter Lotte heiratete den Bestattungsunternehmer Fritz Kopbauer. Der älteste Sohn Arthur wurde Berufssoldat, spezialisierte sich auf Kraftfahrzeuge und fand nach dem Krieg seine Existenz bei MAN in Mannheim. Der zweite Sohn Paul, der die Tochter des Kaufmannes Bruno Adolph heiratete, betreibt hier im Westen eine eigene Fleischerei. Ebenso der Sohn Fritz war in der Gegend von Northeim selbständig als Schlachter. Hoppes haben ihren Lebensabend bei der Tochter Wanda in Bad Lauterberg verbracht.


 

Der Schuhmacher Friedrich Elsner, in Haus Nr. 97 geboren, hat in die Nr. 99 eingeheiratet. Elsner arbeitete in jungen Jahren bei der Firma Fliegel. Im November 1900, an einem Freitag vor der Berthelsdorfer Kirmes, verunglückte er beim Beladen einer Gußform. Durch Herunterfallen eines schweren Gewichtes wurde ihm das linke Bein zerschlagen. Er bekam eine Prothese und betrieb wieder die Schuhmacherei. Frau Elsner ist immer auf das Dominium zur Arbeit gegangen. Der Sohn Gustav hatte Fleischer gelernt, arbeitete in Hirschberg. Die Tochter Emma war auch in Hirschberg verheiratet. Der Sohn Richard ist im 1. Weltkrieg gefallen. Friedrich Elsner starb, als er weit über 80 Jahre war. Die Ehefrau wurde noch ausgewiesen.


 

Der letzte Besitzer der Hausnummer 100 war der Arbeiter Karl Stelzer und seine Ehefrau Pauline. Stelzer verrichtete Dränagearbeit, während die Frau die kleine Landwirtschaft besorgte. Er hatte das Haus von dem Mühlenkutscher Hauptmann's Erben gekauft. Hauptmann hatte das Haus Nr. 115 und ist im August 1914 gestorben. Er hatte aus erster Ehe drei Kinder. Seine Frau war eine Tochter des Pferdehändlers Hein aus Spiller. Nach ihrem Tode heiratete er eine Witwe Dittrich mit drei Söhnen. Aus der Ehe ging eine Tochter hervor. Nachdem Hauptmann gestorben war und die Söhne im Krieg waren (Bruno war gefallen) verkauften die Erben nach dem Krieg an Stelzer. Sie hatten alle ein Auskommen außerhalb gefunden. August Hauptmann hatte das Haus Anfang der neunziger Jahre von den Nixdorf-Erben gekauft.


 

Die Nummer 101 war seit Generationen im Besitz der Familie Hinke. Der letzte Besitzer war der blinde Korbmacher Arthur Hinke. Die Frau war Schneiderin. Ihr Vater war der Handelsmann Hoffmann. Arthur Hinke, hatte das Haus vom Vater, dem Eisendreher Gustav Hinke übernommen. Gustav Hinke wieder vom Vater, dem Landarbeiter Hinke. Er war Kriegsinvalide vom Krieg 1870 - 71. Er zog mit dem Leierkasten in den umliegenden Dörfern umher. Gustav Hinke hat fast das ganze Haus neu gebaut.


 

Auch die Nummer 102 war seit Generationen in der Familie geblieben. Im Jahre 1898 schlug der Blitz in das Haus ein und es brannte vollständig nieder. Es wurde aber vom Besitzer, dem Straßenwärter Wilhelm Besser und seiner Ehefrau geb. Hilger wieder aufgebaut. Nach dem Tode der Eheleute übernahm der älteste Sohn Wilhelm das Haus. Er arbeitete in der Papierfabrik. Dann war er viele Jahre Nachtwächter im Dorf. Von ihm übernahm der Sohn Bruno das Haus. Dieser arbeitete bei Fliegel. Er hatte das Land, welches sie schon immer in Pacht hatten, vom Dominium gekauft. Seine Frau stammte aus Klein Aupa.


 

Der letzte Besitzer der Hausnummer 103 war der Landarbeiter Julius Ander. Dieses Haus war lange im Familienbesitz der Familie Gebauer. Der vorletzte Besitzer war der Zimmermann August Gebauer. Die Eheleute hatten nur eine Tochter. Sie starb noch kurz vor der Hochzeit und hinterließ den Eltern eine kleine Tochter mit Namen Pauline. Als die Frau Gebauer gestorben war, hat die Enkeltochter dem Großvater den Haushalt geführt. Er hatte auch Pachtland und zwei Kühe. Da die Enkelin noch ledig starb, war bei Gebauer eine Wirtin, eine Witwe Paulusek. Er hat sie nach Jahren geheiratet und so wenigstens einen Erben. Nach Gebauers Tod, übernahm dann der Schwiegersohn der zweiten Frau, der Waldarbeiter Julius Ander das Grundstück. Er hat Acker als Anlegersiedler vom Dominium gekauft, ca. 3 ha. Die Ander-Leute hatten einen Sohn, der ist im 2. Weltkrieg gefallen. Das Haus mit Schieferdach war in sehr gutem Zustand.


 

Das Haus Nr. 104 war ebenfalls alter Familienbesitz der Familie Neumann. Es war immer vom Vater auf den Sohn übergegangen. Sie waren Landarbeiter, hatten etwas Pachtland und hielten sich 2 Kühe. Als aber Fritz Neumanns Frau geb. König aus Nummer 82 auf dem Felde vom Blitz erschlagen wurde, verkaufte Fritz Neumann das Anwesen und zog mit den Mädchen nach Neukemnitz, wo er eine Kriegerwitwe heiratete. Das Haus kaufte der Mühlenbesitzer Alfred Schönwälder. Schönwälder hat es nach einigen Jahren an den Fabrikinvaliden August Kühn verkauft, der noch bis zur Vertreibung Besitzer blieb.


 

Das Haus Nr. 105 gehörte bei der Vertreibung dem Landwirt Max Appelt. Er hatte das Haus von seiner Frau, der Witwe von Fritz Gebauer, auch Bittner Fritz genannt, da seine Mutter eine geborene Bittner war, geerbt. Gebauer arbeitete als Maurerhandlanger bei der Firma Karl Worbs. Weil die Leute keine Kinder hatten, bekam es Max Appelt, der zu dieser Zeit als Holzschleifer in der Papierfabrik arbeitete. Nach Pachtung des Dienstgartens Nr. 10, Hausnummer 95 (Worbs), vermietete er sein bisheriges Haus an den früheren Schäfer Pietsch. Appelt seine Frau stammt aus Södrich und war eine geb. Latter.


 

Hausnummer 106 gehörte dem Tischler Oswald König. Er betrieb die Tischlerei als Ein-Mann-Betrieb, hatte auch zwei Kühe und etwas Land. Seine Frau, eine geb. Rieger, stammte aus Johnsdorf bei Spiller. Das Haus gehörte früher dem Onkel von Oswald König, dem Fabriktischler Heinrich König. Nach dessen Tode übernahm der Bruder von Oswald, Paul König, das Grundstück. Da aber Paul König 1914 die väterliche Wirtschaft übernahm, verkaufte er das Haus 106 an seinen Bruder Oswald König.


 

Hausnummer 107 ist die Hoffmann-Schmiede. August Hoffmann kam jung aus Voigtsdorf und kaufte das Haus. Den Namen der Vorbesitzer weiß ich nicht. Diese bauten die Schmiedewerkstatt. Durch einen Brand waren die Häuser 107 und 96 vernichtet, wurden aber wieder aufgebaut. Sie waren in gutem Zustand. Nachdem August Hoffmann 1914 verstarb, wurde die Schmiede verpachtet. Erster Pächter war der Schmiedemeister Konrad. Ihm folgte 1923 der Schmiedemeister Schmidt. Als dieser 1945 starb, wurde die Schmiede geschlossen. Der Sohn von Gustav Schmidt, Herbert, ist im 2. Weltkrieg gefallen. Die zwei Töchter waren auswärts. So wohnte die Witwe Emma Schmidt geb. Hübner in der Wohnung. Das Wohnhaus ist bei den Polen abgebrannt und die Schmiede ganz verfallen.


 

Die Nummer 108 ist ein Freihaus. Letzter Besitzer war der Zimmermann Oswald Christ und seine Ehefrau Hedwig geb. Scheckel aus Nr. 42. Dazu gehörten einige Morgen Land, die sein Vater August Christ und der Großvater erworben hatten. Oswald Christ war als Zimmermann bei der Firma Karl Worbs beschäftigt. Die Frau versorgte neben dem Haushalt auch noch das Vieh (drei Kühe). Der Vater August Christ ist jahrzehntelang als Arbeiter auf das Dominium gegangen. Der Großvater von Oswald war Stellmacher im Hauptberuf.


 

Der Schuhmacher Julius Klose war Besitzer von Haus Nr. 109. Auch dieses Haus war Generationen im Besitz der Kloses. Julius Klose hatte ein lahmes Bein. Doch so manch gut gearbeiteter Schuh oder Stiefel ist durch seine Hände gegangen. Seine erste Frau war eine geb. Kirchner aus Nr. 47. Nach ihrem Tode heiratete er eine Frau Hampel aus Röwersdorf Krs. Schönau. Neben der Schuhmacherei hatte er auch noch etwas Land vom Dominium gekauft. Vorher hatte er Pachtland und drei Kühe. Sein Vater handelte mit Geflügel. Das Haus wurde bei Plünderungen in der Nacht vom 26. zum 27. Juni 1945 von den Polen niedergebrannt.


 

Emma Röhricht war Besitzerin von Nr. 110. Sie war Witwe des Landwirts Paul Röhricht, der an den Folgen des 1. Weltkrieges gestorben war. Das Grundstück gehörte vorher einem Siebenhaar, der aus dem Dienstgarten Nr. 9, Haus Nr. 93, kam. Die Eheleute hatten keine Kinder. Als dann eine Schwester von Frau Siebenhaar starb, nahmen sie das Töchterchen Johanna Schindler als ihr eigenes Kind an. Johanna heiratete den Landwirt Ernst Tietze aus Matzdorf. Aus dieser Ehe kamen zwei Töchter. Die älteste war in Rabishau verheiratet, während die jüngere das Anwesen übernahm und den Bauernsohn Paul Röhricht aus Altkemnitz heiratete. Zur Nr. 110 gehörte auch die Nr. 111. Das war ein kleines Haus. Siebenhaar, Tietze und auch Röhricht trieben Landwirtschaft, hatten aber viel Pachtland. Erst unter Paul Röhricht wurde es möglich, im Wege der Anliegersiedlung, den Acker käuflich vom Dominium zu erwerben. Frau Emma Röhricht hatte auch das Haus Nr. 113 vom Baumeister Worbs gekauft. Es war früher das Schuhmacher Kratzertsche Haus. Als der Sohn Julius Kratzert, noch ledig, im Krieg 1914 - 18 gefallen war, verkaufte der ältere Bruder das Haus, weil er auswärts verheiratet war. Herr Worbs und Frau Röhricht haben viel an dem Haus gebaut. Es war vermietet.


 

Das Haus mit der Nr. 114 war das Haus von Fritz Mährlein. Mährlein war Waldwärter auf dem Dominium. Er hatte das Haus von seiner Mutter übernommen. Sie war schon Witwe, ihr verstorbener Mann Landarbeiter. Sie hielten sich eine Kuh. Auch Fritz Mährlein starb. Bis zur Ausweisung bewohnte die langjährige Wirtin das Haus. Die Kinder von Mährlein wohnten auswärts und wollten erst nach dem Krieg alles regeln.


 

Die Nr. 115 war abgebrochen. Es gehörte früher dem Landarbeiter August Hauptmann und seiner Frau. Nach ihrem Tode ging es an den Arbeiter und Totengräber Friedrich Gebhardt. Dazu hatte Hauptmann noch Grundstück 116 gekauft. Es war eine Brandstelle, dem früheren Besitzer Arbeiter Kupferthal gehörig, welche nun auch auf Gebhardt überging. Er verkaufte dann an den Bauarbeiter Kalk, der es nach kurzer Zeit an den Bautechniker Gustav Scholz verkaufte. Scholz baute dann auf Nr. 116 ein neues Wohnhaus. Nach seinem Tode verkauften die Erben an den Bauunternehmer Ernst Worbs. Als Ernst Worbs starb, ging es in Erbgemeinschaft über. Die Witwe führte das Geschäft weiter. Aber auch der einzige Sohn ist im Krieg geblieben. So blieb Frau Worbs alleinige Besitzerin von dem Grundstück.


 

Das Haus Nr. 117 von Heinrich Kubis wurde bei der Ausweisung von seiner Schwester Martha Kubis bewohnt. Es war auch immer in der Familie geblieben. Von Heinrich Kubis seinem Großvater, dem Arbeiter Werner hatte es die Tochter Anna Kubis erworben. Werner war vor der Jahrhundertwende lange Jahre auch Totengräber. Der Schwiegersohn Johann Kubis arbeitete in der Papierfabrik. Er ist auch in den mittleren Jahren verstorben. Nach dem Tode von Frau Kubis kaufte der Sohn Heinrich das Haus. Er war Eisendreher bei der Fa. Fliegel.


 

Das Haus Nr. 118 war bis etwa um 1900 in der Familie Teichmann. Der Modelltischler Paul Teichmann hatte die Tochter von Fabrikschmied Krause geheiratet. Er baute auch hinten eine Stube aus. In der Fabrik hatte er einen Unfall gehabt. Er hatte sich, an der Bandsäge, am Kopf verletzt. Seit der Zeit war er etwas schwermütig. Er war dann auf einmal verschwunden und nach etlichen Monaten fand man ihn erhängt im Gänsebusch. Darüber war sein Vater so verzweifelt, daß er sich im Straßenteich ertränkte. Die Witwe hatte dann das Haus an den Fabrikschmied Klose verkauft. Dieser verkaufte nach wenigen Jahren an den Kutscher Hermann Reimann. Reimann hat den Stall neu gebaut. Er wollte etwas Landwirtschaft betreiben, hatte aber nur Pachtland. Er kam aus Johnsdorf, die Frau aus Spiller. Sie war eine geb. Wehner. Da sich nach einigen Jahren etwas Günstigeres bot, verkaufte er an einen Arbeiter Paul Winkler und zog nach Krommenau. Nach einigen Jahren, 1913, verkaufte Winkler an den landwirtschaftlichen Kutscher Josef Wittek und Frau geb. Baumert. Die Leute hatten keine Kinder. Die Frau starb 1944. Josef Wittek war schon einige Jahre früher gestorben. So stand das Haus im Erbe beim Zusammenbruch. Es wurde von einem Neffen Frau Witteks, dem Fabrikarbeiter Gustav Scholz und seiner Frau bewohnt.


 

Auch die Nr. 119 stand bei Kriegsende in Erbengemeinschaft. Der Fabrikarbeiter Gustav Rücker war verstorben. Seine zweite Frau wohnte in dem Haus. Aus erster Ehe hatte er mehrere Söhne, die im Kriege waren. Seine erste Frau war die älteste Tochter vom Landarbeiter Seliger. Rücker hatte in das Haus eingeheiratet.


 

Die Nr. 120 war das Grimmig-Haus. Vom Arbeiter Karl Grimmig übernahm der Sohn Gustav Grimmig. Er war Straßenwärter. Nach seinem Tode wurde sein Sohn Bruno Grimmig Besitzer. Aus Gram über den Tod seines Sohnes Gustav hat sich Karl Grimmig das Leben genommen. Bruno Grimmig, der auch als Straßenwärter arbeitete, hat die Tochter von Gottwald geheiratet und zog nach Nr. 52. Er verpachtete sein Haus an den Papiermaschinenführer Weihrauch.


 

Frühere Besitzer der Nr. 121 waren die Arbeiterleute Worbs. Da sich der alte Vater Worbs in der Wohnstube erhängt hatte, verkaufte der Sohn das Haus an den Arbeiter Ernst Volkmann. Worbs zog nach Neusorge. Nach Volkmann übernahm es der Schwiegersohn Ewald Biemelt mit seiner Frau Frieda geb. Volkmann. Biemelt arbeitete bei der Firma Fliegel.


 

Das nächste Haus mit der Nr. 122 war das Hermann Kittelmann-Haus. Kittelmann hatte Pachtland vom Dominium und betrieb Landwirtschaft. Nach dem Tode der Eheleute verkauften die Söhne das Haus an die Gemeinde. Die Wohnungen wurden für Arbeiterfamilien eingerichtet. Es wohnten die Familien Paul Meier, Paul Gottwald und Trenkel darin.


 

Die Nr. 123, Dienstgarten Nr. 12, gehörte früher dem Gerbermeister Ander. Der Großvater von Otto Ander, tauschte mit dem Dominium, so daß die Gerberei an den Dorfweg kam, wo die Gerberei sich mehr ausbreiten konnte und der Betrieb die bekannte Größe erreicht hatte. Die Gerberei lag früher im Gelände des Dominiums, wo der Ficht-Pflanzgarten war.


 

Die Nr. 124 gehörte früher dem Stellmacher Schmidt. Er zog später nach Blumendorf und verkaufte das Haus an den Landwirt Heinrich Hampel. Nach dem Tode der Eltern von Hampel übernahm der Sohn den Hof. Es wohnte Karl Kratzert bis zu seinem Tode darin. Da das Haus sehr alt und baufällig war, hat es Hampel abgebrochen. Nach Heinrich Hampels Tode erwarb Werkführer Hermann Reinhardt das Grundstück als Bauplatz. Dort war in der Hitlerzeit ein Umsiedlerlager für Luxenburger errichtet worden.


 

Nr. 125, Dienstgarten Nr. 13, war früher auch eine kleine Gerberei mit Landwirtschaft. Von den Hirtschen Erben erwarb es der Gerber Pohl. Pohl starb jung, so führte die Witwe den Betrieb weiter. Dann verkauften die Erben an den Tischlermeister Firll aus Neukemnitz. Dieser starb 1892. Die Witwe heiratete den Landwirt Gustav König aus Ludwigsdorf. Nach kurzer Ehe starb König an Herzschlag. Danach heiratete der Landwirt Schröter die Witwe. 1905 übernahm der Sohn Adolf Firll die Wirtschaft. Aus dem 1. Weltkrieg kam er zwar heim, starb aber schon einige Jahre später. 1938 übernahm der Sohn Herbert die Wirtschaft. Der Bruder Paul war tödlich verunglückt. Den großen Bienenstand, den Adolf Firll hinterließ, betrieben die beiden Söhne Herbert und Paul weiter.


 

Der letzte Besitzer von Nr. 126 war Bruno Schnabel, der aus Langwasser Krs. Löwenberg stammte. Vorher waren Franz Schmidt und Frau Besitzer. Er arbeitete im Sanatorium. Sie hatten außerdem 2 Kühe und etwas Pachtland. Der einzige Sohn Bruno war 1914 im Westen gefallen. Die Braut von Bruno Schmidt erbte daraufhin das Anwesen und heiratete den Neffen von Frau Schmidt, Bruno Schnabel. Der hat später noch Land hinzugekauft und die Gebäude neu gebaut. Er arbeitete in der Papierfabrik. Vor Frantz Schmidt gehörte das Anwesen dem Schäferehepaar Brendel, die alt und kinderlos starben.


 

Die Nr. 127 gehörte früher dem Gerber Tietze, der beim Gerber Pohl arbeitete. Tietzes hatten mehrere Kinder, die alle nicht im Dorf wohnten. Sie verkauften nach dem Tode der Eltern das alte Haus an den Zimmermann Emil Hein, der es abgerissen hat und neu baute.


 

Nr. 128 gehörte bis zur Vertreibung der Familie Adolph. Heinrich Adolph war während des 1.Weltkrieges gestorben. So gehörte das Haus der Witwe Marie Adolph und dem Sohn Gustav, die auch im Hause wohnten. Gustav Adolph war Eisendreher bei Fliegel. Er hatte das Haus nach dem Tode seiner Mutter erworben. Sie war in zweiter Ehe mit dem Landarbeiter Schindler verheiratet.


 

Dann kommt das Haus von Zimmermann Emil Hein. Es hat die Nr. 130. Er muß wohl auch die Nr. 129 gehabt haben. Früherer Besitzer von Nr. 130 war Wilhelm Kratzert, der auf dem Dominium als herrschaftlicher Kutscher beschäftigt war. Er hatte das Haus von seiner Mutter im Erbe erworben. Seine Schwester war bei der Geburt ihres Kindes gestorben. Wilhelm Kratzert hat dann an Emil Hein verkauft und in Herischdorf eine Restbauernstelle erworben. Emil Hein hat ein paar Morgen Land vom Dominium gekauft und hielt eine Kuh.


 

Nr. 131 ist das Weimann Grundstück. Es war ein ganz kleines Haus. Frau Weimann war Witwe und ging als Tagelöhnerin auf das Dominium. Nach ihrem Tode kaufte Arbeiter und Landwirt Martin Deuner das Grundstück und brach das Haus ab.


 

Den Dienstgarten Nr. 14, Haus Nr. 132, hatte Frau Eurelie Deuner gekauft. Sie war geschieden und stammte aus Michelsdorf Krs. Landeshut. Die Vorbesitzer weiß ich nicht. Nach dem Tode von Eurelie übernahm der Sohn Martin Deuner das Grundstück. Er hat noch Land hinzugekauft, somit wurde es eine Vollbauernstelle. Er arbeitete trotzdem noch bei der Firma Fliegel.


 

Auch von Nr. 133 weiß ich die Vorbesitzer nicht. 1890 erwarb der Kernmacher August Hein das Haus. Er arbeitete bei Fliegel, während seine Frau die Semmeln für den Bäcker austrug. Nach dem Tode von Hein, kaufte der Schwiegersohn, Waldarbeiter Bruno Friedrich, das Haus. Er hatte etwas Pachtland und hielt immer zwei Kühe. Mit ihren 10 Kindern waren Friedrichs die einzige Familie, die zwei Staatsmänner als Patenonkel hatten. Leider sind 4 Söhne im 2.Weltkrieg gefallen.


 

Jetzt führt der Weg beim Dominium vorbei an dem Kemnitzbach. Links ist eine Parzelle, auf der auch ein Haus gestanden hat. Das Rittergut hat es gekauft und abgerissen. Das Grundstück ist in das Gut auf der Gemeinde eingetragen worden. So kommen wir zur Nr. 134, Dienstgarten Nr. 15. Das Haus war mehrere Generationen hindurch im Besitz der Familie Hampel. Heinrich Hampel starb und der Sohn Paul fiel im Krieg 1914 - 18. Die anderen Söhne waren auswärts verheiratet. Da verkauften sie an den Landwirt Oswald Holzbecher aus Boberröhrsdorf. Er starb noch jung 1935. Die Witwe hat die Wirtschaft mit Hilfe ihres Vaters im Erbe weitergeführt. Holzbecher hatte auch noch etwas Land vom Dominium zugekauft. Der Sohn hat das Fleischerhandwerk beim Fleischermeister Hoppe in Berthelsdorf gelernt.


 

Die Nr. 135 war früher das Grundstück des Landarbeiters Kittelmann. Nach dem Tode der Witwe Kittelmann erwarb es der landwirtschaftliche Kutscher Gustav Braun. Braun hatte dann bis zu seinem Tode das Amt als Nachtwächter, Totengräber und Gemeindebote ausgeübt. Frau Braun wohnte bis zur Vertreibung in dem Haus.


 

Das Haus Nr. 136 gehörte früher dem Tischler Gottlieb König. König hat es an die Witwe Weniger aus Michelsdorf Krs. Landeshut verkauft. Sie war von ihrem Mann geschieden und hatte einen Sohn und eine Tochter. Frau Weniger hat dann den Witwer Scholz aus dem Kreise Landeshut geheiratet. Ihr Sohn war Tischlermeister in Spiller. Die Tochter ist ledig geblieben, hatte aber eine Tochter, die mit dem Arbeiter Wilhelm Gimser verheiratet war. Als die Eheleute Scholz gestorben waren, übernahm die Tochter Martha Weniger das Haus. Scholz und auch Martha Weniger hatten etwas Pachtland, so daß sie zwei Kühe halten konnten. Sie hatten auch eine Bienenzucht. Einige Jahre vor dem 2. Weltkrieg ist Martha Weniger spurlos verschwunden und nicht wieder aufgetaucht. Es ist auch nie geklärt worden, ob ein Mord oder sonst ein Verbrechen geschehen ist. Man hatte zwar die Tochter mit ihrem Ehemann Gimser in Verdacht, konnte ihnen aber nichts nachweisen.


 

Das waren in großem Auszuge die Besitzverhältnisse der Gemeinde Berthelsdorf Kreis Hirschberg, soweit ich es noch weiß.

Das Dominium ist die Grundherrschaft der Gemeinde. Zur Herrschaft Berthelsdorf gehören noch die Gemeinden Riemendorf, Tschischdorf und Boberullersdorf. Die ersten Grundherren auf Berthelsdorf waren die von Zedlitz. Daß sie die ersten waren, ist mir nur vom Hörensagen bekannt. Wie die Reihenfolge genau weiter ging, weiß ich nicht mehr. Es treten weitere Namen auf wie von Rotkirch, Gebhardt und Nostitz. Auch ein Graf Schafgotsch soll einmal auf Berthelsdorf gewesen sein. Dann war ein gewisser Duttenhofer Besitzer. Ob das der Schwiegersohn von Gebhardt gewesen ist, kann ich nicht genau sagen. Duttenhofer hatte die 2. Frau. Sie führte ein großes Haus. Ich glaube, zu dieser Zeit ist das Schloß umgebaut worden. Es hatte früher ein spitzes Dach und war ohne Turm. Duttenhofer hatte Berthelsdorf verpachtet. Der Pächter wohnte im sogenannten Amtshaus. Zu der Zeit brannte auch die große Scheune nieder. Sie wurde dann mit flachem Dach aufgebaut. Duttenhofer hatte für seinen Schwiegersohn, den Webereibesitzer Mattenklodt in Altkemnitz, eine Bürgschaft übernommen. Mattenklodt war der Gründer der Mechanischen Weberei in Altkemnitz. Als die Weberei in Zahlungsschwierigkeiten kam und Pleite machte, mußte Duttenhofer die Bürgschaft einlösen. Es kam dadurch zur Zwangsversteigerung der Herrschaft Berthelsdorf mit den dazugehörenden Herrschaften. Sie wurde von Herrn Dr. Elzel erworben. Dr. Elzel stammte aus Rabishau Krs. Löwenberg und hatte in Friedeberg eine gute Arztpraxis, die er dann aufgegeben hat. Er hat die Bewirtschaftung selbst mit Hilfe eines Inspektors geführt. Waren doch früher die Bauern und Hausbesitzer zu Dienstleistungen für die Grundherrschaft verpflichtet. Sie mußten auch aus Riemendorf, Tschischdorf und Boberullersdorf auf Befehl kommen. So war alles nach der von Steinschen Verfassung von 1848.


 

Im Kirch- und Schulwesen hatten die Herren mitzubestimmen. Für die Kirche waren sie Patron, gleich welcher Konfession sie angehörten. Die meisten mußten ja Kirchensteuer zahlen. So war es auch im Schulvorstand. Die Kinder im Gutsbezirk gingen auch in die Gemeindeschule, mußten also auch Schulbeiträge an die Gemeinde leisten. Ebenso war es mit dem Feuerlöschwesen. Der Gutsherr hatte in allem mitzureden. In Berthelsdorf war der größte Besitz einer landwirtschaftlichen Nutzfläche, aber auch ein großer Waldbestand. Früher gab es auch eine Brauerei. Das war das Haus am Mühlgraben. Da war rechts die Schankstube und links der Tanzsaal. Das Brau- ereigebäude war über dem Dorfweg. Es wurde das sogenannte einfache Bier gebraut. Die Brauerei war auch verpachtet. Der Bierumsatz war nicht so hoch und ist später ganz eingestellt worden. 1701 wurden die Kupferbraupfannen durch Hochwasser weggespült. Im Jahr 1900 sind sie vom Landwirt Julius Hoppe auf einem Grundstück wiedergefunden worden. Das Brauhaus mußte wegen des Straßenbaues im Jahre 1898 abgerissen werden. Es war auch durch das Hochwasser 1897 sehr stark mitgenommen. Das Gasthaus war schon lange stillgelegt und diente als Arbeiterwohnhaus, daß nach 1900 auch stillgelegt worden ist. Auch die Brücke über den Kemnitzbach ist um die Jahrhundertwende gebaut worden. Die Brücke war den Ortsbewohnern nur widerruflich erlaubt. Wer jedoch Land vom Dominium hatte, konnte auch durch den Hof fahren und die Brücke benutzen.


 

In Riemendorf war nur Waldbesitz, genannt der Riemendorfer Wald. Ein Teil ist zum Talsperrengebiet gekommen. Im Dorf Tschischdorf war nur ein Teil Wald, aber hauptsächlich waren es Wiesen am Bober entlang. Fast alles lag im Gebiet der Talsperre. Auch in Boberullersdorf ist fast alles zum Staubecken gekommen. In Boberrullersdorf war es nur eine kleine Fläche. In diesen drei Dörfern hat die Provinzialverwaltung die restlichen Grundstücke aufgekauft. Vor der Steinschen Verfassung, mußten die Bewohner aus diesen Dörfern auch für Berthelsdorf Hofedienste leisten. Zur Zeit der Heuernte fuhren, ehe die Talsperre gebaut wurde, die Gespanne mit Arbeitsleuten auf die Boberwiesen ins Heu.


 

Als im Jahr 1907 Herr Dr. Elzel starb, führte die Witwe den ganzen Hof mit einem Inspektor weiter. Dr. Elzel hatte schon sehr viel an dem Betrieb getan. So hatte unter seiner Zeit die Viehwirtschaft angefangen und wurde zur bedeutensten Ostfriesenherde in ganz Schlesien.


 

Nach dem 1. Weltkrieg hat Frau Dr. Elzel einen jungen Menschen als ihren Sohn angenommen mit Namen Dodiko von Warburg. Er führte auch den Namen Schwarz von Warburg. Frau Elzel war eine geborene Schwarz. Aus diesem Grunde mußte von Warburg den Zusatznamen Schwarz von Warburg führen. Er hat das Gut übernommen und hat geheiratet. Im September 1935 ist er nach kurzer Krankheit gestorben. Er hinterließ die Witwe und zwei Kinder. Sie hat die Wirtschaft mit Hilfe von Frau Elzel und einem Inspektor weitergeführt, bis auch sie vertrieben wurden. Die Inspektoren waren Grätschel, Feirich, Raabe und Oswald Perschke. Den Wald betreuten die Förster Irgel und Altwasser.


 

Und nun etwas über die Wegeverhältnisse im Orte selbst. Der Hauptdorfweg ging von Altkemnitz am linken Ufer des Kemnitzbaches entlang bis zum Kretscham, wie auch die Straße später lief, nur daß durch den Straßenbau der Hügel bei Nr. 2 (Hopf) und bei Moser bedeutend abgetragen war. Beim Kretscham kreutzte der Dorfweg die Provinzialstraße, ging beim Spritzenhaus in den Kemnitzbach als Furt und kam an der zweiten Schule heraus. Die Furt war etwa 130 - 140 Meter lang. Das war solange, bis Herr Eugen Griesch das Wehr baute, damit er die Wasserkraft für seinen Betrieb erhielt. Da wurde der Weg an seinem Grundstück verlegt, er ging direkt zwischen 17 + 18 hindurch, durch den Bach. Der Dorfweg führte dann so entlang, wie jetzt die Straße ging. Nur beim Hasenstein war ein großer Hügel, der beim Straßenbau auch abgetragen wurde. Unterhalb des Freigutes ging er hoch über den Berg. Durch den Straßenbau entstand dort eine sogenannte Höhle. Um auch Zufahrtswege zu den einzelnen Besitzungen zu haben, hatten mehrere Gemeinden eigene Wege. Erstens der Hofe-Furt. Er war für das Dominium und die Nummern 132 - 136 Zufahrt. Von Nr. 136 führte ein schmaler Weg bis dorthin. Ein anderer Fahrweg führte von Hein Emil herab durch den Bleichfurt, über den Bleichplan bis zur Straße. Ein kurzer Verbindungsweg kam vom Geberhügel herunter zur Bleiche über den Niedermühlengraben. Ein Verbindungsweg für die Nummern von 108 - 132 war auch die sogenannte Kuhgasse. Dann war auch von der Bäckerei bis dorthin, wo die 2. Schule gebaut war, der Gemeindeweg. Auch der lief so wie die Straße. Er lag nur von Nr. 89 bis zur Schule viel höher. Auf diesem Stück ist die Straße viel niedriger gelegt worden, denn es war von Nr. 89 - 88 ein steiler Berg. Als Verbindung von der Hauptstraße zu dem Dorfweg ging bei Nr. 91 (Messerschmiede) eine Furt durch den Kemnitzbach. Es war die Mühlenfurt. Diese ist nach dem Straßenbau nicht mehr benutzt worden und daher auch verfallen. Die nächste Furt war die schon erwähnte Kretschamfurt. Dann war vom Dienstgarten Nr. 1 (Hielscher Fritz) eine Furt, die ist aber durch Hochwasser zerstört worden. Dann war die Furt beim Dienstgarten Nr. 5 (Baumert) und die Furt beim Dienstgarten Scheckel. Es war der Zufahrtsweg nach Riemendorf. Als letzte Furt war die bei Wünsche, auch das war eine Zufahrt zum Scheckel-Bauer. Da aber die Fußgänger auch über das Wasser mußten, gab es hölzerne Laufstege. Und zwar bei Nr. 1 (Seifert), dann der Fleischsteg beim Kretscham, beim Feist Gustav, bei Baumert, Hertrampf und zuletzt der Steg bei Wünsche. Beim Dominium, beim Kretscham und bei Baumert sind die Stege durch breite Brücken ersetzt worden. Die anderen wurden viel höher und zum Teil massiv gebaut. Um auch eine Verbindung bei Hochwasser und dreckigem Dorfweg zu haben, führte ein Fußweg vom Sanatorium am linken Ufer der Kemnitz bis zum Gerichtskretscham. Das war der frühere Kirchsteg. Auch an der anderen Seite führte ein Fußweg oben entlang von Rieger bis Hülse. Ein Fußweg ging vom Niederdorfe über die Felder, der sogenannte Branntweinsteg. Er kam beim Fleischer Hoppe, über die Straße bei Appelt, durch den Weg nach den Lerchenteichen bis zur herrschaftlichen Brauerei. Diese Fußwege wurden immer weniger belaufen durch die modernen Verkehrsmittel.


 

Hier will ich noch etwas über die Verkehrsverhältnisse von früher bis zuletzt niederschreiben.


 

Durch das Dorf führte schon in früheren Zeiten die alte Post- und Handelsstraße von Berlin, über Görlitz nach Breslau. Von Görlitz führte auch eine Abzweigung nach Dresden und Leipzig. Die Straße kam bei der Löwenberg/Hirschberger Kreisgrenze auf die Berthelsdorfer Gebiete bei den Spillerhäusern. Sie führte an dem Gerichtskretscham vorbei, ging dann an der Niedermühle entlang über eine gewölbte Steinbrücke über den Kemnitzbach, dann bei Nr. 93 und 94 auf die andere Seite der Kemnitz, führte dann an den sogenannten Straßenhäusern in Richtung über das Dorf Reibnitz nach der Stadt Hirschberg.


 

Am 30. Juli 1897 wurde die Brücke vollständig durch Hochwasser zerstört. Da wurde eine neue Brücke über die Kemnitz beim Kretscham gebaut. Auch von Hausnummer 94 (Bäckerei) wurde die Straße zur neuen Brücke gebaut. Das war schon vorher Gemeindeweg. Dadurch wurde der Durchgangsverkehr bedeutend verbessert. Die alte Straße wurde von der Mühle und dem Sägewerk Bormann genutzt.


 

Einen großen Verkehr auf dieser Straße brachte das Auto. Denn es war ja eine Durchgangsstraße als Zubringer in das Gebirge, wo früher die Frachtfuhrleute fuhren und den Verkehr beherrschten.


 

Einen weiteren Verkehrsaufschwung brachte dem Orte der Bau der Kreisstraße vom Bahnhof Altkemnitz über Berthelsdorf bis an die Ortsgrenze und nach Boberullersdorf. Sie wurde in den Jahren 1896 und 1899 gebaut. Nachdem später auch noch die Straße durch Boberullersdorf fertig war, wurde auch eine Verbindung mit der Kreisstadt Hirschberg geschaffen. Von Berthelsdorf ging der Personen- und Gütertransport nun nach dem Bahnhof Altkemnitz. Vorher nach dem Bahnhof Reibnitz.


 

Somit wäre ich am Schluß meiner Ausführungen. Ich würde mich freuen, wenn jemand meine Ausführungen noch ergänzen würde, damit die Erinnerungen noch bleiben.


 

Mit heimatlicher Verbundenheit


 

Dassel, 24. Februar 1971 Euer Oswald Hilger


 

> Original-Schrift von Oswald Hilger in meinem Besitz, (genealogie@wimawabu.de)


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